Auftritte

Demo-Selfie

18. Juli 2017, 20.50 Uhr

In zehn Minuten beginnt hier die nächste Kerzen-Demo:

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Vor dem Präsidentenpalast (pałac Prezydencki) in der »Krakauer Vorstadt« (ulica Krakowskie Przedmieście).

Auftritte

Dobranoc, demokracji

18. Juli 2017, 20.36 Uhr

Auf dem Weg von Demo Nummer 1 zur Demo Nummer 2 des heutigen Tages:

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»Krakauer Vorstadt« (ulica Krakowskie Przedmieście).

(Wach seit 8.)

Ausblicke

jest 18:17

18. Juli 2017, 18.59 Uhr

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Piłsudskiplatz (plac marszałka Józefa Piłsudskiego und Dreifaltigkeitskirche (kościół Świętej Trójcy).

Ausblicke

Dobranoc Warszawo

17. Juli 2017, 21.59 Uhr

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(Wach seit ¼ vor 9.)

Auftritte

Łańcuch światła przed sądem

16. Juli 2017

»Łańcuch światła przed sądem« – Lichterkette vor dem Gericht.

21.09 Uhr. Getragene Stimmung. Klassische Musik. Nicht vom Band. Sondern live gespielt:

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Hat ein bisschen etwas von einer Totenfeier. Also dem Anlass angemessen.

21.59 Uhr:

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22.03 Uhr:

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Der dunkle Streifen auf dem Boden am Krasiński-Platz (plac Krasińskich) zeigt den Fluchtweg der Aufständischen von 1944 in die Kanalisation an.

22.04 Uhr. Einen meiner Warschauer Bekannten habe ich dann doch noch getroffen. Friend without benefit. Wir gehen jetzt zu mir nach Hause und werden weinend das Ende der Demokratie in Polen betrinken:

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22.06 Uhr. Krasiński-Palast (pałac Krasińskich) und Gebäude des Obersten Gerichts (Gmach Sądu Najwyższego):

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Auftritte

Demo-Selfie

16. Juli 2017, 21.00 Uhr

Jetzt wieder mit EU-Flagge unterwegs:

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Hinter mir das Gebäude des Obersten Gerichts (Gmach Sądu Najwyższego) auf dem Krasiński-Platz (plac Krasińskich).

Hier findet jetzt gleich eine Demonstration der Juristenvereinigung Polens statt. »Łańcuch światła«. Lichterkette. Jeder hier auf dem Platz hat eine Kerze in der Hand.

Auftritte

Dobranoc, demokracji

16. Juli 2017, 20.55 Uhr

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Krasiński-Platz (plac Krasińskich) mit Krasiński-Palast (pałac Krasińskich) und Gebäude des Obersten Gerichts (Gmach Sądu Najwyższego).

(Wach seit ½ 9.)

Ausblicke

jest 18:17

16. Juli 2017, 18.15 Uhr

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»Krakauer Vorstadt« (ulica Krakowskie Przedmieście) – im Sommer an den Wochenenden immer komplett auto- und busfrei.

Auftritte

(Jeszcze) mamy prawo

16. Juli 2017, 18.13 Uhr

Der Protest geht auch nach dem Ende der Demonstration vor dem Sejm weiter. Eine kleine Gruppe zieht mit einem Transparent über die »Krakauer Vorstadt« (ulica Krakowskie Przedmieście) vor das Hauptportal der Warschauer Uni:

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»(Jeszcze) mamy prawo« – (noch) haben wir das Recht.

Es ist wirklich die Frage, ob es in einem Jahr noch möglich sein wird, demonstrieren zu gehen.

Auftritte

Da steh ich nun ganz alleine

16. Juli 2017, 15.48 Uhr

Heute Morgen um 9 Uhr hat mir Bartek, einer meiner Warschauer »friends with benefits«, der mit mir auf die Demo gegen wollte, mitgeteilt, dass ihm heute nicht nach politischer Demonstration sei. Er müsse sich entspannen und werde an einen Weichsel-Strand fahren. Wo er gestern auch schon war.

Klar. Das eigene Land wird gegen die Wand gefahren. Man kann dagegen demonstrieren gehen. Oder sich an den Strand legen. Ich bin etwas fassungslos.

Daraufhin habe ich einige andere Bekannte aus der Stadt angeschrieben. Von einem kam immerhin die knappe Antwort, er wolle nicht demonstrieren gehen (als wir uns vor etwa sechs Wochen zum Sex trafen, war er aber natürlich erneut empört über alles, was hier politisch abläuft), ein weiterer Bekannter (ohne benefits) hat gesagt, dass wir uns am Sejm treffen wollen. Der Rest hat einfach gar nicht reagiert. Super.

Der, der auch hier sein wollte, ist tatsächlich hier. Allerdings – so absurd sich das anhört – kommen wir nicht zueinander. Es ist einfach zu voll. Er kann mich vor dem Denkmal der Gefallenen des Warschauer Aufstandes mit meiner Regenbogenflagge sehen, schafft aber die zwanzig Meter zu mir nicht. Und ich kann ihn in der Masse der Menschen nicht ausmachen. Zumal er auch nur 1 Meter 65 groß ist.

Nun stehe ich hier alleine. Mit meiner Flagge:

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Immerhin hat sich um mich herum ein kleiner Homo-Block gebildet. Das scheint in Polen völlig unbekannt zu sein. Dass sich Lesben und Schwule auf einer Demo irgendwie ein bisschen zusammenfinden. Um Präsenz zu zeigen.

Es gibt noch vier oder fünf andere Männer mit Regenbogenfahne. Immerhin ein freundliches Zunicken. Einer, der ein kleines Fähnchen in der Hand hielt, kam auf mich zu und gab mir die Hand. Zwei ältere Herren – keine Ahnung, ob die schwul waren oder nicht – kamen ähnlich wie auf der Trump-Demo auf mich zu und klopften mir anerkennend auf die Schulter.

Meine Emotionen bekomme ich selbst kaum auf die Reihe.

Ich bin total wütend. Natürlich wütend auf Jarosław Kaczyński und sein PiS. Wütend aber auch auf die Apathie der Polen.

Wenn selbst Schwule den Arsch nicht vom Sofa oder vom Strand hochbekommen, wie soll hier ernsthaft Demokratie verteidigt werden?

Ich empfinde seit ein paar Tagen wieder körperliches Unbehagen. Wie direkt nach der vergangenen Parlamentswahl in Polen. Mir geht es schlecht. Ich bin ratlos. Ich glaube, ich muss das Land wieder verlassen. Ich kann unmöglich in einem autokratischen Land leben. Wohin das am Ende führt, sieht man aktuell an der Türkei. Und genau so etwas wird in Polen auch passieren: Leute werden wegen fadenscheinigen Gründen eingesperrt werden.

Auftritte

Demo-Selfie

16. Juli 2017, 15.20 Uhr

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Nächste Demo. Heute vor dem Sejm.

Ausblicke

Warschau kann so cool sein

15. Juli 2017, 17.10 Uhr

Die im Sommer für den Autoverkehr gesperrte ulica Ząbkowska in Praga:

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Straßenbahnen fahren hier schon lange nicht mehr, aber üblicherweise holpern massenhaft Autos über das Kopfsteinpflaster. Alle Bars, Cafés und Restaurants sind bis auf die Straße »vergrößert«, sogar Rollrasen wurde ausgelegt.

Auf der Straße sind mehr Menschen am Essen und Trinken und Flanieren, als eben auf der Demo waren. Ich verstehe dieses Land immer weniger.

Ausblicke

Fick dich doch, Warschau

15. Juli 2017, 16.25 Uhr

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(Wach seit ¼ vor 9.)

Ausblicke

Dobranoc Warszawo

14. Juli 2017, 21.05 Uhr

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(Wach seit ½ 9.)

Ausblicke

Dobranoc Warszawo

13. Juli 2017, 20.48 Uhr

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(Wach seit 9.)

Ausblicke

Dobry wieczór Warszawo

12. Juli 2017, 20.06 Uhr

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(Wach seit 9.)

Ausblicke

jest 18:17

12. Juli 2017, 20.03 Uhr

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Ausflüge

Subversive Polen

10. Juli 2017, 19.59 Uhr

Die Demo auf dem Schlossplatz (plac Zamkowy) ist vorbei. Zum Schluss der Veranstaltung wurde dazu aufgerufen, den Versammlungsort möglichst rasch zu verlassen, um die PiS-Leute besonders dämlich dastehen zu lassen. »Lasst uns alle nach Hause gehen, dann stehen hier 2.300 Polizisten für nichts rum«.

Nun scheint sich dieser Tag des Zusammentreffen der »Smolensk-war-ein-Attentat-Spinner« zu einer veritablen Versammlung gegen Kaczyński & Co. zu entwickeln. Eine Demonstration für das Recht aufs Demonstrieren.

Ich bin gespannt, wie das nächsten Monat aussehen wird.

Es waren etwa 2.000 Menschen da. Menschen, die gegen Jarosław Kaczyński und seine PiS demonstriert haben.

Hier sieht man einen Teil davon am nördlichen Ende der ulica Senatorska. Der Straße, die am Schlossplatz beginnt und an der ich wohne:

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Üblicherweise fahren hier Autos. Die subversiven Polen haben sich mal eben die Straße geschnappt.

Auftritte

Demo-Selfie

10. Juli 2017, 19.15 Uhr

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Auf der Demonstration gegen die »Smolensk-war-ein-Attentat«- und »Wir-verbieten-nun-alle-anderen-Versammlungen«-Spinner.

Auftritte

Dieses Land ist total gaga

10. Juni 2017, 19.11 Uhr

Meine kleine Krise von vergangener Woche, was ich eigentlich hier in Polen verloren habe, ist wieder halbwegs verschwunden. Das liegt – wie ich schon zum Trump-Besuch in Warschau schrieb – vor allem an den vielen »normalen« Menschen, die gegen die aktuelle Politik protestieren gehen. Trotzdem: dieses Land ist total gaga. Wirklich total gaga.

Seht selbst.

Blick nach links:

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Blick nach rechts:

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Ich stehe auf dem Schlossplatz (plac Zamkowy), vor der Sigismundssäule (kolumna Zymunta), auf dem zweiten Foto sieht man die St.-Annen-Kirche (kościół Świętej Anny) und den Beginn der »Krakauer Vorstadt« (ulica Krakowskie Przedmieście).

In der Kirche findet heute – wie jeden 10. eines Monats – ein sektenartiger Gottesdienst statt, anschließend werden die Kirchenbesucher zum etwa 300 Meter entfernten Präsidentenpalast (pałac Prezydencki) einer Prozession gleich marschieren.

Was es mit dem 10. eines Monats auf sich hat? Am 10. April 2010 stürzte die polnische Präsidentenmaschine mit Lech Kaczyński an Bord in Smolensk ab.

Seit dem 10. Mai 2010 gibt es monatlich (!) eine Gedenk- und vor allem Protestveranstaltung. Initiiert von Jarosław Kaczyński.

Anfangs – er und seine PiS waren noch in der Opposition – forderten die Teilnehmer dieser Veranstaltungen »Gerechtigkeit« und »Aufklärung«. »Aufklärung« über den angeblich verschleierten Anschlag.

Seit nunmehr fast drei Jahren sitzt Jarosław Kaczyński zwar nicht auf dem Stuhl des Ministerpräsidenten, wohl hält er aber alle Strippen des Landes in der Hand. Für »Aufklärung« und »Gerechtigkeit« hätte er also seit fast drei Jahren sorgen können. Tut er nicht. Weil es nichts aufzuklären gibt. Er umgibt sich aber trotzdem noch mit einer Gruppe von Menschen, die man wirklich getrost als völlig verblendete Sektenmitglieder bezeichnen kann. Kaczyński schwadroniert noch immer Monat für Monat von Attentat, von Verschwörung gegen seinen Bruder, von Vertuschung der Vorgängerregierung, vom »Establishment«, zu dem er nicht gehören will, obwohl er längt Teil davon ist.

Es ist wirklich kaum vorstellbar, was da Monat für Monat passiert.

Anfangs war es nur eine kleine Gruppe von maximal 100 Mitgliedern, die dort aufmarschierte. Ich hab mir das selbst mal vor einem Jahr anschauen müssen. Wirklich lauter Verrückte, denen man – ich übertreibe nicht – den Wahnsinn von ihren Gesichtern ablesen kann.

Nun gibt es seit ein paar Monaten dieses absurde neue Gesetz, dass Demonstrationen verboten werden können, wenn am selben Ort und zur selben Zeit schon eine Demonstration angemeldet wurde. Und vor allem in der Form, dass eine regelmäßige Demonstration sozusagen ältere Rechte genießt und auf Jahre im Voraus angemeldet werden kann und dann keine Gegendemonstration erlaubt wird. Das ist de facto die Aufhebung der Versammlungsfreiheit, die bekanntlich zu den wichtigen Elementen einer funktionieren Demokratie gehört.

Gegen die monatlich stattfindenden Sektenversammlungen in der besagten St.-Annen-Kirche und vor dem Präsidentenpalast hat kaum jemand ernsthaft protestiert. Das wurde eher in der Rubrik »lasst die Spinner doch« abgetan. Seit nun aber dieses neue Demonstrationsrecht, eher das Demonstrationsverbot, in Kraft ist, kommen immer mehr Menschen tatsächlich zu einer Gegenversammlung zusammen.

Die Polen können immer noch sehr subversiv sein.

Vor vier Wochen haben ein paar Leute versucht, die »Prozession« zwischen der St.-Annen-Kirche und dem Präsidentenpalast zu blockieren. Das ist ihnen nicht wirklich gelungen, hat nun aber zur Folge, dass heute 2.300 (!) Polizisten in der Stadt zusammenkommen, um die Prozessionsteilnehmer zu »schützen«.

Das sieht man auf meinen zwei Bildern. Da wird großflächig, sogar viel weiter, als dieser Marsch stattfindet, die Stadt abgeriegelt, nur damit ein paar Hansel von der Kirche zum Präsidentenpalast laufen können.

In der Gazeta Wyborcza ist ein noch viel eindrucksvolleres Bild davon zu sehen – nämlich vom Turm der St.-Annen-Kirche aufgenommen:

Abgesperrte Krakauer Vorstadt.jpg

Quelle: Gazeta Wyborza

Das muss man sich reinziehen.

Das Ganze läuft noch immer als »politische Demonstration«, der riesige Aufwand wird also nicht privat, sondern aus Steuergeldern finanziert.

Kaczyński hat sich nun auch mit der Warschauer Stadtregierung angelegt. Er wünscht sich ein Denkmal – ein Heldendenkmal – in der Nähe des Präsidentenpalastes. Bisher gibt es eine kleine, eher unauffällige Gedanktafel vor dem Palast. Kaczyński will aber etwas richtig Großes für seinen toten Bruder haben.

Hier wird nun auch ein Totenkult betrieben, der ebenfalls nicht zu fassen ist. Ein Blick in den polnischsprachigen Wikipedia-Artikel dazu lohnt (es sind sogar schon zwei Artikel, weil die Liste zu lang wäre).

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