Ausflüge

Gastgeschenke von Obi

17. August 2017, 18.41 Uhr

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Ausblicke

Emotional weit entfernt

31. Juli 2017, 12 Uhr

Wer mich kennt – wer mich vor allem länger kennt – weiß, dass ich schon immer sehr große Sympathien für Polen gezeigt habe. Aber es geht nicht mehr. Zumindest habe ich das Gefühl, dass es nicht mehr geht mit mir und Polen.

Was tut man, wenn man nach zwanzigjähriger Schwärmerei aus der Ferne drei Jahre mit einem Partner zusammenlebt, der sich nach einem Jahr völlig wandelt? Der nicht mehr liebenswert erscheint, sondern aggressiv-abweisend? Der nicht mehr mit seiner Offenheit begeistert (im Falle meiner Wahrnehmung Polens: Freundlichkeit gegenüber Fremden), sondern mit latent gewalttätig anmutender Sprache (Polens offizielle Sprachregelung Flüchtlingen gegenüber, Polens Regierung gefährlich nachsichtiger Umgang mit Rechtsextremen im Land)?

War ich blauäugig? War ich naiv? Hätte man – hätte ich? – diese aktuelle Entwicklung ahnen müssen? Wird es noch düsterer?

Ich habe die wohl nicht unberechtigte Sorge, dass nach der politischen Sommerpause die sogenannte Justizreform noch einmal angegangen wird. Kaczyński wird nicht ruhen, ehe er die Gerichte seiner Partei (und damit sich) unterworfen hat. Ich habe Sorge, dass im Herbst die zum Glück noch sehr zahlreichen freien Medien »dran« sind. Ich habe Sorge, dass sich Polen nicht von Zureden und leider auch nicht von finanziellen Sanktionen seitens der EU davon abhalten lassen wird. Ich habe inzwischen sogar Sorge, dass dieses »Änderungen« soweit gehen könnten, dass die nächste Wahl in zwei Jahren keine demokratische mehr sein wird.

Polen ist noch immer weit davon entfernt, sich Zuständen wie aktuell in Venezuela oder in Belarus anzunähern. Aber es ist auf dem guten Wege zu einem System wie in Russland oder in der Türkei. Keine unabhängigen Gerichte mehr. Keine freie Presse mehr.

Was mich am meisten irritiert oder schockiert, ist noch immer die relative Passivität der Bevölkerung. Ich war im vergangenen Monat auf etwa einem Dutzend Demonstrationen. Natürlich war ich dort nicht alleine. Natürlich gibt es Politikerinnen und Politiker, die sich der PiS entgegenstellen. Man muss eher sagen: entgegenzustellen versuchen. Aber alleine schon die Tatsache, dass es an manchen Tagen drei verschiedene Demonstrationen von drei verschiedenen Veranstaltern an drei verschiedenen Orten gab, zeigt, wie uneinig die Opposition im Land ist. Und vor allem: wie wenig Menschen im Verhältnis zu Einwohnerzahlen von Stadt und Land zu den Demonstrationen kamen. Sicher: es wurde in allen Großstädten und in fast allen Mittelstädten, hinunter bis zu Kleinstädten demonstriert. Das Land hat aber fast 40 Millionen Einwohner. Warum waren da nicht 500.000 oder gar eine Million Menschen auf der Straße? Es ist nicht so, dass die schweigende Masse der Regierungspolitik zustimmt. Wenn ich in meinen Bekanntenkreis schaue und horche: alle empören sich. Alle regen sich auf. Zu den Demonstrationen kam aber nur ein ganz, ganz kleiner Teil der Leute, die sich dezidiert als PiS-Gegner definieren. Wenn man den Meinungsforschungsinstituten glauben darf, ist die Mehrheit gegen die Art und Weise, wie die PiS regiert. Sicher, die PiS hat ihre Stammwählerschaft, sie hat auch die relative Mehrheit der Wähler hinter sich. Aber das ist eben nicht die absolute Mehrheit der Bevölkerung.

Ich will jetzt gar nicht darüber nachdenken, was mit den PiS-Leuten alles falsch läuft, dass sie – nur weil sie von 51 Prozent der Stimmberechtigten 38 Prozent der Stimmen erhielten – meinen, sie könnten sich das Land komplett unter den Nagel reißen (und genau das versuchen sie – sie versuchen, sich das Land dauerhaft zu »sichern«). Wenn ich daran denke, wird meine Verzweiflung nur noch größer. Das sind Nicht-Demokraten, das sind Menschen, die alles Freie verachten, das sind Menschen, die zu keinem Dialog fähig sind, das sind Menschen, die sich nicht einmal darauf einlassen, dem anderen zuzuhören. Das sind Irre, einer Sekte gleich.

Was mache ich? Was mache ich mit meinem Leben in Warschau?

Ende der Woche oder Anfang der nächsten Woche werde ich Warschau tatsächlich verlassen (nachdem mein Plan, kurz ins freie Kopenhagen zu reisen, aus diversen Gründen aufgegeben werden musste). Ich werde meine Familie treffen. Ich werde meine alte Freundin Sonja treffen. Ich werde mit ihr und noch drei alten Freundinnen in vier Wochen nach Cadaqués reisen. Ich werde anschließend vermutlich mindestens eine Woche in Berlin sein. Ich werde sechs bis acht Wochen Abstand von Polen, von Warschau, von meinem Leben hier haben. Ich habe die Wohnung für die Zeit an einen Bekannten »abgegeben«, ich kann also auch beruhigt so lange fernbleiben.

Oh Mann, und parallel bekomme gerade im Moment ich die Nachricht, dass der polnische Justizminister Ziobro tatsächlich in einem Interview die Menschen, die mit Regenbogenfahnen auf dem Demos gingen, zu seinen, zu Polens Feinden erklärt hat.

Ich kann hier nicht bleiben. Außer die Polen wollen, dass ich bleibe. Und all die anderen Freigeister. All die anderen Lesben und Schwulen. All die anderen Atheisten.

Mir wird schlecht.

Ach ja, ehe da wieder irgendwer kommentiert, es sei nicht so schlimm. Doch. Es ist so schlimm.

Auftritte

jest 18:17

24. Juli 2017, 18.17 Uhr

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Aha

Was ist das denn?

21. Juli 2017, 0.32 Uhr

Kleine Vorgeschichte zu diesem Foto:

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Bier trinkend und Regenbogenfahne schwenkend war wir die vergangenen zwei Stunden nicht unauffällig. Ein sehr offensichtlich sehr homosexueller junger Mann näherte sich uns, bis wir irgendwann in Kontakt kamen. Die verstockten polnischen Homos machen das von sich aus nicht, also hab ich ihm irgendwann zugelächelt. Er lieh sich dann von mir die Fahne, ließ sich damit von seiner Begleiterin fotografieren, irgendwann finden wir an mit einander zu reden.

Wir drei bis vier sehr selbstbewussten Schwule, die abwechselnd Polnisch, Englisch und Deutsch mit einander sprachen, müssen einen sehr großen Reiz auf ihn ausgelöst haben. So groß, dass er uns (dann nur noch zu dritt – Nummer vier muss morgens früh arbeiten gehen) zu sich nach Hause einlud. »Auf ein Bier.« Ich vermute eher, dass er eine kleine Orgie im Kopf hatte. Das hatten »wir Berliner« aber für uns schon ausgeschlossen.

Bei ihm zu Hause, Fußmarsch etwa 20 Minuten vom Sejm entfernt, musste ich gleich aufs Klo und sah dann das, was auf dem Foto zu sehen ist, auf der Ablage über dem Waschbecken. Keine 30 Sekunden, nachdem ich das Foto gemacht hatte – ich war noch nicht richtig fertig im Bad –, kam der Gastgeber rein und zog sich die zwei Lines. Vermutlich Mephedron. Mephedron ist sehr populär in Polen. Der Arme. Jetzt ist er total fickrig. Und wir wollen ihn nicht ficken.

Auftritte

Da steh ich nun ganz alleine

16. Juli 2017, 15.48 Uhr

Heute Morgen um 9 Uhr hat mir Bartek, einer meiner Warschauer »friends with benefits«, der mit mir auf die Demo gegen wollte, mitgeteilt, dass ihm heute nicht nach politischer Demonstration sei. Er müsse sich entspannen und werde an einen Weichsel-Strand fahren. Wo er gestern auch schon war.

Klar. Das eigene Land wird gegen die Wand gefahren. Man kann dagegen demonstrieren gehen. Oder sich an den Strand legen. Ich bin etwas fassungslos.

Daraufhin habe ich einige andere Bekannte aus der Stadt angeschrieben. Von einem kam immerhin die knappe Antwort, er wolle nicht demonstrieren gehen (als wir uns vor etwa sechs Wochen zum Sex trafen, war er aber natürlich erneut empört über alles, was hier politisch abläuft), ein weiterer Bekannter (ohne benefits) hat gesagt, dass wir uns am Sejm treffen wollen. Der Rest hat einfach gar nicht reagiert. Super.

Der, der auch hier sein wollte, ist tatsächlich hier. Allerdings – so absurd sich das anhört – kommen wir nicht zueinander. Es ist einfach zu voll. Er kann mich vor dem Denkmal der Gefallenen des Warschauer Aufstandes mit meiner Regenbogenflagge sehen, schafft aber die zwanzig Meter zu mir nicht. Und ich kann ihn in der Masse der Menschen nicht ausmachen. Zumal er auch nur 1 Meter 65 groß ist.

Nun stehe ich hier alleine. Mit meiner Flagge:

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Immerhin hat sich um mich herum ein kleiner Homo-Block gebildet. Das scheint in Polen völlig unbekannt zu sein. Dass sich Lesben und Schwule auf einer Demo irgendwie ein bisschen zusammenfinden. Um Präsenz zu zeigen.

Es gibt noch vier oder fünf andere Männer mit Regenbogenfahne. Immerhin ein freundliches Zunicken. Einer, der ein kleines Fähnchen in der Hand hielt, kam auf mich zu und gab mir die Hand. Zwei ältere Herren – keine Ahnung, ob die schwul waren oder nicht – kamen ähnlich wie auf der Trump-Demo auf mich zu und klopften mir anerkennend auf die Schulter.

Meine Emotionen bekomme ich selbst kaum auf die Reihe.

Ich bin total wütend. Natürlich wütend auf Jarosław Kaczyński und sein PiS. Wütend aber auch auf die Apathie der Polen.

Wenn selbst Schwule den Arsch nicht vom Sofa oder vom Strand hochbekommen, wie soll hier ernsthaft Demokratie verteidigt werden?

Ich empfinde seit ein paar Tagen wieder körperliches Unbehagen. Wie direkt nach der vergangenen Parlamentswahl in Polen. Mir geht es schlecht. Ich bin ratlos. Ich glaube, ich muss das Land wieder verlassen. Ich kann unmöglich in einem autokratischen Land leben. Wohin das am Ende führt, sieht man aktuell an der Türkei. Und genau so etwas wird in Polen auch passieren: Leute werden wegen fadenscheinigen Gründen eingesperrt werden.

Auftritte

Demo-Selfie

16. Juli 2017, 15.20 Uhr

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Nächste Demo. Heute vor dem Sejm.

Ausblicke

Post aus Warschau

3. Juli 2017, 14.21 Uhr

Der Roman »Lubiewo« von Michał Witkowski, das vor vier Monaten selbst geschenkt bekam und das ich vor einer Woche zu lesen begann, gefällt mir so gut, dass ich es jetzt selbst verschenken will. In der polnischen Originalausgabe. »Bez cenzury« – unzensiert, wie es auf dem Titel heißt:

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Würde mich ja mal interessieren, was da in der zensierten Version wegzensiert wurde. Dazu müsste ich aber erst Polnisch können. Ziemlich gut vermutlich.

Ausblicke

Strandlektüre

27. Juni 2017, 16.53 Uhr

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Das Buches liegt schon viel zu lange ungelesen in meinem Wohnzimmer. Der Einstieg ist schon mal sehr toll.

Auftritte

Sex on the beach

20. Juni 2017, 22.16 Uhr

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Ausblicke

Männersache

4. Juni 2017, 22.12 Uhr

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Auftritte

Doch noch ein (Klo-)Selfie

3. Juni 2017, 20.29 Uhr

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Die Perücke (ein Erbstück meiner Großmutter – die hat sie nach einer Krebserkrankung und Bestrahlung im Jahr meiner Geburt gekauft und mir Ende der 1990er-Jahre mit den Worten überreicht »du hast doch dafür bestimmt noch Verwendung«) macht jetzt schon den mindestens fünften CSD mit.

Auftritte

Statt Demo-Selfie

3. Juni 2017, 20.01 Uhr

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Foto: A. E.

Auftritte

Warschau kann auch selbstbewusst

3. Juni 2017

Gleichheitsparade (Parada Równości) in Warschau.

18.19 Uhr:

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18.21 Uhr:

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Auftritte

jest 18:17

3. Juni 2017, 18.17 Uhr

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Auftritte

Warschau kann auch bunt

3. Juni 2017

Gleichheitsparade (Parada Równości) in Warschau.

16.53 Uhr:

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17.16 Uhr:

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Auftritte

Dzień dobry Warszawo

3. Juni 2017, 16.30 Uhr

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(Wach seit 9.)

Auftritte

Manchmal muss man Google einfach lieben

3. Juni 2017, 10.48 Uhr

Man kann Google zu Recht viel vorwerfen. Datenkrake. Monopolstellung. Aber politisch sind sie meistens einfach auf Zack.

Die heutige Startseite – zumindest in Polen und wenn man nach der Gleichheitsparade (Parada Równości) sucht:

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Auftritte

3 × gay+

3. Juni 2017, 1.12 Uhr

Inzwischen ist auch T-Shirt-Träger Nummer 3 (aus Katowice) eingetroffen:

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(Das mit dem Kussmund muss ich nicht auch noch üben, oder?)

Auftritte

gay+

2. Juni 2017, 19.59 Uhr

Erste Modenschau am Weichselstrand mit den T-Shirts für die morgige Gleichheitsparade (Parada Równości):

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Die T-Shirts (insgesamt fünf Stück) habe ich gestern hier in Warschau in den Druck gegeben und vor zwei Stunden abgeholt.

Beim Abholen habe ich gleich mal ein erstes kurzes »Interview« wegen Homophobie oder eben Nicht-Homophobie mit dem Inhaber der T-Shirt-Druckerei geführt. Ich fragte ihn ganz direkt, was er gedacht hat, als ich ihm die Dateien geschickt habe. Ob er dachte, was wollen die blöden Schwuppen eigentlich oder ob es ihm eher egal sei. Seine Antwort: er hätte keine Probleme mit Schwulen, ganz im Gegenteil, er hätte auch schon T-Shirts für die kph gedruckt. kampania przeciw homofobii – eine landesweite Organisation gegen Homophobie.

Ausblicke

jest 18:17

29. Mai 2017, 18.17 Uhr

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