Ausblicke

jest 18:17

17. Juli 2017, 18.31 Uhr

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Auftritte

Da steh ich nun ganz alleine

16. Juli 2017, 15.48 Uhr

Heute Morgen um 9 Uhr hat mir Bartek, einer meiner Warschauer »friends with benefits«, der mit mir auf die Demo gegen wollte, mitgeteilt, dass ihm heute nicht nach politischer Demonstration sei. Er müsse sich entspannen und werde an einen Weichsel-Strand fahren. Wo er gestern auch schon war.

Klar. Das eigene Land wird gegen die Wand gefahren. Man kann dagegen demonstrieren gehen. Oder sich an den Strand legen. Ich bin etwas fassungslos.

Daraufhin habe ich einige andere Bekannte aus der Stadt angeschrieben. Von einem kam immerhin die knappe Antwort, er wolle nicht demonstrieren gehen (als wir uns vor etwa sechs Wochen zum Sex trafen, war er aber natürlich erneut empört über alles, was hier politisch abläuft), ein weiterer Bekannter (ohne benefits) hat gesagt, dass wir uns am Sejm treffen wollen. Der Rest hat einfach gar nicht reagiert. Super.

Der, der auch hier sein wollte, ist tatsächlich hier. Allerdings – so absurd sich das anhört – kommen wir nicht zueinander. Es ist einfach zu voll. Er kann mich vor dem Denkmal der Gefallenen des Warschauer Aufstandes mit meiner Regenbogenflagge sehen, schafft aber die zwanzig Meter zu mir nicht. Und ich kann ihn in der Masse der Menschen nicht ausmachen. Zumal er auch nur 1 Meter 65 groß ist.

Nun stehe ich hier alleine. Mit meiner Flagge:

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Immerhin hat sich um mich herum ein kleiner Homo-Block gebildet. Das scheint in Polen völlig unbekannt zu sein. Dass sich Lesben und Schwule auf einer Demo irgendwie ein bisschen zusammenfinden. Um Präsenz zu zeigen.

Es gibt noch vier oder fünf andere Männer mit Regenbogenfahne. Immerhin ein freundliches Zunicken. Einer, der ein kleines Fähnchen in der Hand hielt, kam auf mich zu und gab mir die Hand. Zwei ältere Herren – keine Ahnung, ob die schwul waren oder nicht – kamen ähnlich wie auf der Trump-Demo auf mich zu und klopften mir anerkennend auf die Schulter.

Meine Emotionen bekomme ich selbst kaum auf die Reihe.

Ich bin total wütend. Natürlich wütend auf Jarosław Kaczyński und sein PiS. Wütend aber auch auf die Apathie der Polen.

Wenn selbst Schwule den Arsch nicht vom Sofa oder vom Strand hochbekommen, wie soll hier ernsthaft Demokratie verteidigt werden?

Ich empfinde seit ein paar Tagen wieder körperliches Unbehagen. Wie direkt nach der vergangenen Parlamentswahl in Polen. Mir geht es schlecht. Ich bin ratlos. Ich glaube, ich muss das Land wieder verlassen. Ich kann unmöglich in einem autokratischen Land leben. Wohin das am Ende führt, sieht man aktuell an der Türkei. Und genau so etwas wird in Polen auch passieren: Leute werden wegen fadenscheinigen Gründen eingesperrt werden.

Ausblicke

Post aus Warschau

3. Juli 2017, 14.21 Uhr

Der Roman »Lubiewo« von Michał Witkowski, das vor vier Monaten selbst geschenkt bekam und das ich vor einer Woche zu lesen begann, gefällt mir so gut, dass ich es jetzt selbst verschenken will. In der polnischen Originalausgabe. »Bez cenzury« – unzensiert, wie es auf dem Titel heißt:

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Würde mich ja mal interessieren, was da in der zensierten Version wegzensiert wurde. Dazu müsste ich aber erst Polnisch können. Ziemlich gut vermutlich.

Abschied

Unerreichbar

24. Juni 2017, 20.51 Uhr

Da fliegt er wieder weg:

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Unerreichbar* für die nächsten Wochen.

* Unerreichbar in meiner Definition. In ein Flugzeug will ich mich ja nicht mehr setzen. Und mit der Bahn ist Aberdeen eher nicht so leicht zu erreichen. Mindestens viermal umsteigen. Pro Strecke mindestens 350 Euro. Reisezeit: mindestens 30 Stunden. So wird das nichts mit der umweltverträglichen Mobilität, Europa!

Ausblicke

Henneberg Porzellan

23. Juni 2017, 7.32 Uhr

Den hat mir vorgestern mein Gast aus Schottland als Geschenk zum Abschied hier gelassen:

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1777
Made in German Democratic Republic

Als Ersatz für den im April von ihm versehentlich zum Absturz gebrachten Balkon-Blumenkasten, bei dem auch mein Palast-der-Republik-Aschenbecher zu Bruch ging.

Süß, oder?

Hat er sich extra nach Aberdeen schicken lassen, um ihn mir mitbringen zu können.

Ausblicke

Abschieds-Piroggen

21. Juni 2017, 16.43 Uhr

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Ausblicke

Nachtmahl

21. Juni 2017, 0.52 Uhr

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Ohne Scheiß: das ist meine erste Mahlzeit seit 24 Stunden.

Abhängen

Tagesabschlussgetränk

20. Juni 2017, 23.41 Uhr

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Vor dem Resort am plac Teatralny den Straßenarbeitern beim Auftragen von Fahrbahnmarkierungen zusehen und sich des Sommers und des Lebens freuen.

Ausblicke

Besuch im Haus

20. Juni 2017, 11.09 Uhr

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Auftritte

Empfangskomitee

20. Juni 2017, 2 Uhr

Schade, dass ich eben keinen Fotografen bei mir vor dem Haus stehen hatte. Wirklich sehr schade.

Ausblicke

Besuch im Anflug

19. Juni 2017, 23.53 Uhr

In Berlin wäre so etwas nicht möglich:

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Ein Flug, der angekündigt um 1.20 Uhr landet.

In Warschau gibt es offenbar kein Nachtflugverbot.

Arbeit

jest 18:17

18. Juni 2017, 18.17 Uhr

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Architektur

Früh vor der Tür

13. Juni 2017, 6.51 Uhr

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Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal so früh vor der Haustüre war. Tomasz muss um elf Uhr in Warschau sein. Er setzt sich gleich in sein Auto (der 7-Uhr-Pendolino war zu seiner großen Überraschung ausgebucht), ich mich auf mein Fahrrad.

Ausflüge

Kunst. Literatur. Fahrrad. Bett.

13. Juni 2017, 0.53 Uhr

Eine Besonderheit in Polen – zumindest für Deutsche – sind die Mietwohnungen. Fast jeder in Polen wohnt in seiner eigenen Wohnung (jeder Mieter konnte 1989 die Wohnung, in der er oder sie wohnte, für den Preis einer Monatsmiete kaufen – also für einen Złoty, nach heutiger Kaufkraft).

Die paar wenigen Mietwohnungen sind meist nur sehr kurzfristig, meist mit Verträgen mit einer Laufzeit von einem Jahr, vermietet. Und möbliert.

Mein Warschauer Freund Tomasz, der Anfang des Jahres nach Zoppot gezogen ist, wohnt noch bis Herbst in einer Mietwohnung. Dann zieht er in seine neue (gekaufte) Wohnung um.

Hier ein Detail aus dem Schlafzimmer:

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Kunst an der Wand. Bücherregal. Oma-Bett. So richtig Oma-Bett. Das Fahrrad gehört nicht zum Inventar. Sonst alles. Auch die (sehr alten) Bücher.

Ausflüge

Bier mit Tomek

12. Juni 2017, 21.03 Uhr

Bier für zwei. Fisch nur für mich:

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In der Bar Przystań am Strand in Zoppot (Sopot).

Ausflüge

Eis mit Tomek

11. Juni 2017, 20.00 Uhr

Eisessen mit Tomasz auf dem ziemlich hässlich bebauten plac Zdrojowy (»Badplatz«), dem Platz zwischen Zoppoter Seesteg (molo w Sopocie) und der ehemaligen Seestraße (heute ulica Bohaterów Monte Cassino):

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Das Eis von »Prawdziwe Lody« ist sehr lecker.

Meine Vernetzungen in Polen sind nun schon so gut, dass ich Bekannte habe, die von Warschau nach Zoppot gezogen sind, die ich sehr spontan und fast zufällig auf der Straße treffen und mit denen ich Eis essen gehen kann.

Ausflüge

jest 18:17

11. Juni 2017, 17.59 Uhr

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Piroggen. Der Besuch aus Tel Aviv und Berlin liebt sie. Deswegen schon wieder Piroggen. Im »Mocno nadziane« in der ulica Haffnera in Zoppot (Sopot).

Ausflüge

Warten auf die Berliner

10. Juni 2017, 19.17 Uhr

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Essen mit Rainer vor dem »Swojski Smak« in der ulica Jana Heweliusza.

Ab heute Abend wird es mit den Leuten um mich herum und deren Verknüpfungen kompliziert.

Ich bin mit meinem alten Freund Rainer, den ich sogar noch aus Schwäbisch Hall kenne und mit dem ich in Berlin Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre zusammengewohnt habe, mit dem Zug von Warschau nach Danzig gefahren.

Rainer erwartet seinen Freund Rainer, der mit dem Auto auf dem Weg von Berlin nach Danzig ist.

Mit an Bord sind Shmulik und Sarah. Shmulik ist ein in Berlin lebender Israeli. Sarah ist seine in Israel lebende (und auch dort geborene) Mutter. Shmuliks Großeltern stammen aus Polen. Väterlicherseits aus Warschau (wo der Vater vergangenes Jahr schon auf Spurensuche war), mütterlicherseits aus Danzig.

Sarah habe ich schon im vergangenen Jahr in Warschau kennengelernt. Sie ist etwa so alt wie meine Mutter. Ihre Mutter wiederum ist – wie meine Großmutter – eigentlich Danzigerin. Zumindest hat sie bis zu ihrer Auswanderung nach Palästina in den 1930er-Jahren in Danzig und Zoppot gelebt.

Shmulik und Sarah wollen nun die Orte der Jugend ihrer Großmutter beziehungsweise Mutter ausfindig machen.

Abschied

Abschiedskomitee

10. Juni 2017, 13.18 Uhr

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Rainer (links) fährt mit mir nach Danzig. Tom fährt alleine nach Berlin, von dort am Dienstag nach Frankfurt am Main und fliegt von dort via Irland zurück nach Massachusetts.

So sahen die beiden vor ziemlich exakt 25 Jahren aus:

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Foto: Michael Fedel

Das Bild wurde in unserer damaligen gemeinsamen Wohnung aufgenommen. In der legendären Fabriketagen-Fünfer-WG in der Elbestraße in Neukölln.

Ausblicke

Frühstück mit den Jungs

10. Juni 2017, 9.38 Uhr

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Rainer im Haus zu haben bedeutet, dass es jeden Morgen frische Croissants vom Bäcker gibt.

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