Archive for the 'Autsch' Category

Autsch

Das ist ja gar keine Regenjacke

10. Juli 2017, 17.29 Uhr

Keine zehn Minuten durch den Regen gefahren und bis auf die Knochen nass:

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Die Jahre besitze ich schon seit Jahren. Bisher dachte ich immer, das sei eine Regenjacke. Ich hab sie wohl bis heute noch nie im Regen getragen. Schon nach den ersten Regentropfen wurde die Haut auf meinen Armen und an der Brust nass.

Autsch

Katze macht Chaos

7. Juli 2017, 16.51 Uhr

Die Katze meines Nachbarn ist mal wieder bei mir. Diesmal nicht nur auf einen spontanen Besuch über den Balkon, sondern geplant für zwei Wochen. Weil mein Nachbar und seine Freundin verreist sind.

Kaum angekommen, macht sie gleich mal Chaos:

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Autsch

Dieses Land lässt mich mal wieder verzweifeln

3. Juli 2017

Dass ich mit der Politik in Polen schwer hadere, dürfte bekannt sein. Zwischendurch kann ich das immer mal wieder komplett ausblenden. Denn eigentlich fühle ich mich hier ganz wohl. Meine Wohnung liebe ich noch immer. Beim morgendlichen Gang auf meinen Balkon frage ich mich ganz oft, wie ich so lange ohne Balkon habe leben können. Ich schau auf die Stadt und denke meistens: gefällt mir.

Habe ich Besuch aus Deutschland, freue ich mich, dass die Besucher meistens auch sehr von Warschau angetan sind. Ich freue mich darauf, hoffentlich zum Wochenende bei gutem Wetter meine erste Tour mit dem Rad starten zu können und wieder etwas Neues von dem Land kennenlernen zu dürfen.

Aber dann gibt es Tage wie gestern und heute. Ich lese Zeitung und denke, was ist das für ein unmögliches Land:

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Inhalt des Artikels (auf dem Foto: die Bildungsministerin Anna Zalewska): die von der liberalen Vorgänger-Regierung beschlossenen Anti-Diskrimierungs-Verordnungen für Schulen werden aufgehoben. Diskriminierung wegen Behinderung, wegen Religion, wegen sexueller Orientierung.

Es sollen kleine, gehorsame, stramm katholische Patrioten erzogen werden. Keine Abweichung von der Norm.

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Inhalt des Artikels: die UNESCO tagt in Krakau, es wird möglicherweise geprüft, ob der Białowieża-Urwald (Puszcza Białowieska) der Welterbe-Titel aberkannt wird, weil dort massiv in den geschützten Wald eingegriffen wird.

Dort soll weiter abgeholzt werden. Weil damit 500 Złotych mehr in den Staatshaushalt fließen. Dafür wird ein in Europa einzigartiges Naturschutzgebiet gefährdet.

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Inhalt des Artikels (in polnischen Medien war das schon vor mehr als einer Woche großes Thema): junge deutsche Schüler mit Kopftuch tragenden Mädchen, die zu Besuch in Polen sind, werden im Land massiv angefeindet. Bespuckt. Beleidigt. Die polnische Polizei weigert sich, den Vorfall aufzunehmen und verhöhnt die Schüler anschließend auch noch.

Was läuft hier so derartig falsch?

Am Wochenende hat die regierende PiS einen Parteitag abgehalten. Jarosław Kaczyński sagt dort, dass Polen vor »schädlichen Einflüssen von außen« geschützt werden müsse (und deswegen weiterhin keine Flüchtlinge aufnehmen wird). In seiner Rede schwadroniert Kaczyński allen Ernstes darüber, dass Polen noch immer unter Kriegsverlusten zu leiden hätte und diese nie entschädigt wurden.

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Inhalt des Artikels: In Krakau hängen Plakate, auf denen steht, dass Abtreibung Krebs verursache. Dass von 4.000 Frauen, die im Jahr an Eierstockkrebs erkranken, 3.600 eine Abtreibung haben vornehmen lassen. 80 Prozent der Frauen mit Brustkrebsdiagnose hätten ebenfalls eine Abtreibung vornehmen lassen. Die Frauen sind also selbst schuld, dass sie Krebs bekommen. Strafe Gottes.

Dann diese monatlich (!) stattfindende sektenartige Prozession zum Präsidentenpalast, um dem in Smolensk umgekommenen Zwillingsbruder Kaczyńskis, Lech Kaczyński zu »gedenken«, vor allem aber, um die völlig abwegigen Attentatstheorie aufrecht zu erhalten.

Was ist das für ein komisches Land? Was gibt es hier für absonderliche Politiker? Unter welchem Komplex leiden die, dass sie gegen alles, was nur im entferntesten als liberal, als frei, als offen gelten könnte, bekämpfen müssen? Was ist das für eine seltsam-gefährliche Vermischung von Politik und abstrusen katholischen Ideen?

Das macht mir die letzten Tage richtig schlechte Laune.

Kann mich mal bitte jemand trösten kommen?

Autsch

Internationale idiotische Ignoranten

25. Juni 2017, 18.06 Uhr

Wenn man Jahrzehnte in Berlin gelebt hat, denkt man, Ignoranz sei etwas, das nur Berliner kennen. Nein. Ignoranz ist etwas, was man überall kann:

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Dieser Bauschutt-Container steht seit etwa drei Wochen bei mir hinter dem Haus. Vor einer Woche fing irgendeiner meiner idiotischen Nachbarn damit an, Hausmüll reinzuwerfen. Wenn einer anfängt, machen es auch andere. Inzwischen wird noch Hausmüll draufgeworfen, obwohl gar kein Platz mehr ist.

Es stinkt. Es ist eklig. Die Krähen reißen die Müllsäcke auf. Der Müll liegt überall drumherum.

Aber man spart drei Schritte zu den eigentlichen Müllcontainern.

Idioten. (Vermutlich die gleiche Sorte Menschen, die in einer Büro- oder Kneipen-Toilette ein Klo vollkacken und nicht auf die Idee kommen, danach die Klobürste in die Hand zu nehmen.)

Autsch

Die schmutzigste Stadt der Welt

21. Mai 2017, 15.20 Uhr

Das ist der Rest vom Wasser, das ich einem 10-Liter-Eimer hatte, mit dem ich meine Fenster im Wohnzimmer von außen vorgewischt habe:

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Drei Fenster plus eine Balkontüre. Alle Fenster unter dem schützenden Balkon in der Etage über mir.

Ich habe mit zehn Litern Wasser weniger als fünf Quadratmeter einer senkrecht stehenden und total glatten Fläche gewischt. Und dann ist das Wasser tiefschwarz.

Autsch

Alter Mann

15. Mai 2017, 20.08 Uhr

Vor sieben Jahren musste ich mir am Tag vor meinem 44. Geburtstag meine erste Lesebrille kaufen. Nun – zwei Wochen vor meinem 51. Geburtstag – sind die Gelenke dran:

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Ich glaube, ich habe Arthrose im linken Ellenbogen. Warum ausgerechnet dort, ist mir nicht so ganz klar. Aber es schmerzt seit einigen Wochen.

Voltaren hilft leider nicht wirklich.

Autsch

Das Ende meines Lieblingsaschenbechers

21. April 2017, 19.26 Uhr

Zigaretten rauchende Gäste müssen zum Rauchen auf den Balkon. Mein Gast heute hat leider die Schwerkraft etwas unterschätzt:

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Einer meiner großen Balkonkästen ist mitsamt Blumenerde und meinen Palast-der-Republik-Aschenbecher zwei Stockwerke nach unten geknallt. Zum Glück lief da in dem Moment niemand.

Autsch

Warschau, wir haben ein Problem

2. April 2017, 23 Uhr

Auch wenn ich mich wiederhole, ich finde es noch immer ganz schrecklich, was hier seit Wochen und Monaten mit der Luftqualität los ist:

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Und das, obwohl es heute recht windig war und die Kraftwerke zumindest keine Wärme mehr produzieren müssen.

Der Staub in der Wohnung ist noch immer tiefschwarz. Einmal die Woche Staubwischen reicht eigentlich nicht.

Autsch

Oh nein!

1. April 2017, 11.56 Uhr

Gerade denke ich, was klappert denn da so heftig in der Waschmaschine:

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Hab ich doch eine Jacke in die Maschine geworfen, ohne vorher in die Taschen zu schauen. Immerhin lief das Schleuderprogramm noch nicht. Ich bin mal gespannt, ob er es überlebt hat.

Autsch

Radikalkur

28. März 2017, 21.11 Uhr

Was auf dem Bild zu sehen sind, ist meine ehemalige Beinbehaarung:

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Ich könnte heulen.

Ich bin die Filzläuse mit dem Kopflaus-Mittel Delacet nicht losgeworden. Trotz zweimaliger Behandlung. Es hat noch immer gejuckt. Und ich habe die Biester noch immer mit bloßem Auge finden können.

Rasierte Beine bei Männern finde ich ganz, ganz schlimm.

Der Schneider in Praga war’s übrigens nicht. Das konnte ich nun dank Rückmeldung nach meinen Filzlaus-Alarm-E-Mails zeitlich eingrenzen. Absurderweise hat mein Berliner Besuch von letzter Woche, der immerhin vier Nächte in meinem Bett geschlafen hat, keine Läuse. Aber der hat ist – vielleicht sein Glück – von Natur aus fast unbehaart.

Autsch

Noch einmal wie mit 18 fühlen

27. März 2017, 20.17 Uhr

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Das hätte ich mir einer Woche auch nicht vorstellen können. Dass ich in Polen in eine Apotheke gehen würde, dort mit einer nicht Englisch sprechenden Apothekerin mindestens eine halbe Stunde gemeinsam versuchen würde herauszufinden, welches Präparat man denn nun für eine – wie soll ich sagen? – etwas delikate Erkrankung aussucht, weil das, was ich eigentlich kaufen wollte, in Polen nicht erhältlich ist.

Ich hab Filzläuse.

Keine Ahnung, wo ich die herhabe. Ich weiß natürlich, wie man die bekommt, trotzdem ist es mir etwas schleierhaft. Eine mögliche Erklärung wäre meine Jeans, die ich vor zwei Wochen zum Flicken zu einem Schneider in Praga gebracht habe und die ich am Donnerstag wieder abgeholt habe. Von der Inkubationszeit (drei bis sechs Tage) würde das hinhauen. Sex hatte ich die letzten zwei Wochen keinen, immerhin haben in der Zeit drei Männer (auch ohne Sex) bei mir im Bett geschlafen.

Ein bisschen gejuckt hat es mich (an der Rückseite meines linken Oberschenkel) gestern schon, da dachte ich mir zuerst nichts bei, heute im Laufe des Tages wurde es mir dann klar. Am Mittag habe ich tatsächlich eines der Biester aus meiner Behaarung um den Bauchnabel gefischt, als es dort auch zu jucken begann. Zuerst kleiner Schock, dann der Gedanke: hilft ja nichts, also Wäsche waschen und ein Mittel in der Apotheke kaufen gehen und der Spuk ist vorüber.

Das Mittel der Wahl zur Behandlung (laut Wikipedia) ist Melathion, das ist aber in Polen nicht erhältlich. Sagte mir zumindest die Apothekerin, die mir während des halbstündigen Besuches in ihrem Laden irgendwann sogar ihren Computerbildschirm zudrehte und mich in ihr Bestellsystem blicken ließ. Alles, was ich gerne kaufen würde, taucht dort nicht auf. Auch nicht mit den lateinischen Namen.

Ich mit dem iPhone in der Hand, dort diverse Fachbegriffe Begriffe via Wikipedia vom Deutschen oder Englischen ins Polnische übersetzt, dann nach den entsprechenden polnischen Wörtern gegoogelt, die Apothekerin sich mit ihrer Kollegin austauschend, ebenfalls am Rechner recherchierend, kamen wir auf Delacet. Eigentlich etwas gegen Kopfläuse. Wenn es aber so wirkt, wie es auf der Haut brennt und wie es scharf nach Alkohol und Desinfektion riecht, müsste es auch gegen meine Biester wirken.

Inzwischen bin ich eher amüsiert denn schockiert. Ich hatte Filzläuse einmal in meinem Leben. Mit 18 oder 19. Damals dauerte es ewig, bis ich es selbst erkannt habe. Das Drama war dann eher meine Mutter, bei der ich zwischenzeitlich (nach meinem Auszug mit 16) noch einmal ein paar Monate wohnte, die mir total die Hölle heiß gemacht hat. Auch damals konnte ich nicht richtig eingrenzen, wo ich sie herhatte. Vermutlich von einem meiner ersten Besuche in Berlin. Auch damals ohne sexuelle Kontakte. (Man glaubt es kaum, ist aber wahr.)

Den kleinen Kreis der möglicherweise Gefährdeten habe ich zwischenzeitlich schon informiert, ich bin mal gespannt, was da an Rückmeldung kommen wird.

Autsch

Polnisches Kettensägenmassaker

6. März 2017, 11 Uhr

Am 1. Januar 2017 trat das in Polen »Lex Szyszko« genannte Gesetz in Kraft. Wenn man den Begriff in die Google-Bildersuche eingibt, bekommt man eine Ahnung davon, was es bedeutet.

Jan Szysko ist der amtierende polnische Umweltminister. Umweltzerstörungsminister würde es besser treffen. Er hat dieses Gesetz auf den Weg gebracht, welches besagt, dass nun jeder Besitzer eines Grundstückes selbst entscheiden kann, wann und in welchem Umfang er Bäume darauf fällen will. Bislang war das ähnlich wie in Deutschland geregt. Man musste sich das Fällen eines Baumes genehmigen lassen.

Seit wenigen Wochen herrscht hier ein regelrechtes Kettensägenmassaker:

Video: Gazeta Wyborcza

Der »alte Zausel«, wie ich ihn immer nenne, der in dem Video spricht, ist übrigens Marek Kossakowski, einer der beiden Vorsitzenden der Partia Zieloni (grüne Partei Polens), die leider immer noch bei unter 2 % Wählerzustimmung dümpeln.

Jahrzehnte alte Bäume an prominenten Stellen in Städten verschwinden. Wie hier in Warschau:

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Foto: Jan Śpiewak

Ganze Waldabschnitte werden gerodet. Beispielsweise in Łeba (berühmt für seine Wanderdüne) an der Ostsee:

leba_gerodeter_wald

Foto: newsweek.pl

Hier ist ein Hotel geplant, das bislang nicht gebaut werden konnte, da das Roden des Waldes nicht genehmigt wurde. Das Hotel kann nun gebaut werden. Der Wald ist ja weg.

Dieses Gesetz ist extrem umstritten, vor allem vor dem Hintergrund der schlechten Luftwerte der letzten Wochen. Nachdem Jarosław Kaczyński vor etwa einer Woche geäußert hat, dass das Gesetz möglicherweise ein bisschen zurückgenommen werden könnte (eine komplette Rücknahme wird kategorisch ausgeschlossen), ging das Fällen so richtig los. Nach dem Motto: schnell weg mit den Bäumen, bevor es nicht mehr möglich ist.

Es ist eine Katastrophe! Diese PiS ruiniert wirklich das Land.

Autsch

Warschau, wir haben ein Problem

17. Februar 2017. 8.16 Uhr

Das mit der Luftverschmutzung in Warschau wird langsam echt zu einem Problem:

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Dazu muss man wissen, dass in anderen Staaten der EU bereits ab einer Feinstaubbelastung von 80 PM₁₀/m³ (das sind 80 Staubpartikel mit einer Größe weniger als 10 µm pro Kubikmeter Luft) Feinstaubalarm ausgelöst wird. Wir haben jetzt 170 Partikel mit einer Größe von weniger als 2,5 µm. Also dreifache Menge vierfach kleinerer Partikel. Kleinere Partikel sind schädlicher für den Organismus, da sie tiefer in Lunge und Gewebe eindringen können.

Wenn ich das jetzt richtig überblicke, wurde dieser Wert von 80 PM₁₀ seit Wochen permanent überschritten.

Smogalarm in Warschau wird erst ab einem Tagesmittelwert von 180 PM₁₀ ausgerufen. Dann gibt es aber weder Fahrverbote noch Reduzierung von Industrieanlagen, dann wird lediglich der öffentliche Nahverkehr kostenlos angeboten.

Das hier ist eine Grafik der Luftbelastung der vergangenen 24 Stunden:

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Quelle: powietrze.gios.gov.pl

Die blaue Kurve ist die PM₁₀-Belastung. Wie man sieht, war der Wert gestern Vormittag sogar auf über 400 PM₁₀ angestiegen. Smogalarm gab es nicht, weil der Tagesmittelwert dann doch unter dem polnischen Grenzwert von 180 PM₁₀ lag. Wie gesagt: beispielsweise in Frankreich liegt der Wert für Smogalarm bei 80 PM₁₀.

Autsch

Jetzt ist Berlin dran

12. Februar 2017, 11.17 Uhr

Jetzt ist Berlin dran mit der schlechten Luft:

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An der Messstation Frankfurter Allee (die untere) bin ich vorhin mit dem Rad vorbeigefahren. Wie auch gestern Nachmittag schon. Jetzt habe ich also vermutlich den »Gegenwert« einer halben Schachtel Zigaretten in meinen Lungen.

Messwerte aller Stationen und die Smartphone-App gibt es hier.

Autsch

Willkommen in Berlin

1. Februar 2017, 23.10 Uhr

Deutsche Bahn, wie wäre es, diese total eklige und stinkende Pissecke zu beseitigen:

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Das ist das Erste, was man von Berlin sieht (und riecht), wenn man aus dem Zug aus Warschau an Gleis 6 ankommend den Aufzug am Ostbahnhof unten verlässt.

Und zwar regelmäßig.

Autsch

jest 18:17

29. Januar 2017, 18.16 Uhr

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Autsch

Kaczyńskis Trolle haben mich entdeckt

11. Januar 2017, 21 Uhr

Zu Hause angekommen, sehe ich das auf Twitter (ich hatte mein Selfie von 19 Uhr getwittert – ohne weiteren Kommentar):

So ungefähr darf man sich die »Gesprächskultur« grundsätzlich in Polen vorstellen. Für PiS-Anhänger sind alle anderen »Arschlöcher«, »Verräter« … ach, das schrieb ich ja schon.

Dass man als Deutscher vielleicht auch in Polen leben könnte, ist außerhalb deren Vorstellung. Dass es Menschen anderer politischer Überzeugung geben könnte, ebenfalls. Dass Polen noch immer eine parlamentarische Demokratie ist, ist ihnen vermutlich eher lästig.

Was für unsouveräne Deppen.

Autsch

Dicke Luft in Warschau

8. Janaur 2017, 20.52 Uhr

Als schon in den Achtzigerjahren in Berlin Lebender erinnere ich mich dunkel, dass es das dort auch oft gab. Smogalarm wegen Wetter und vor allem wegen Kohlenabgasen.

Heute Morgen gab es Höchstwerte in Warschau:

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Vor allem die Feinstaubbelastung ist extrem hoch. Um mehr als das Achtfache über dem Grenzwert.

Körperliche Aktivitäten – gleich welcher Art – im Freien sollten auf ein Minimum reduziert werden. Menschen mit Atemwegsproblemen sollten heute gar nicht aus dem Haus gehen.

Wer mich schon einmal besucht hat, weiß, dass ich gerne davon erzähle: Kohlenstaub, der sich selbst im Sommer in der Wohnung niederlegt.

In Warschau gibt es – zumindest im Zentrum – keine privaten Heizanlagen. Das übernehmen die zwei Kraftwerke im Norden und im Süden der Stadt (Żerań und Siekierki). Die werden mit Steinkohle befeuert. Dazu kommt noch, dass die Warschauer sozusagen sozialistisch mit Heizwärme umgehen. Jedes Treppenhaus, das ich kenne, wird mit einem nicht regulierbaren (und komplett heißen) Heizkörper beheizt. Dafür wird dann gerne mal ein Fenster im Treppenhaus stundenlang gekippt. Ich kann das immer kaum aushalten, wenn ich das sehe. Weil ich weiß, wo diese verschwendete Wärme herkommt. Wohnungen, die ich kenne (also auch meine) haben keine Wärmeverdunster den Heizkörpern. Man wird also nur sehr indirekt dafür bestraft, wenn man heizt und gleichzeitig die Fenster gekippt hat. Soweit ich weiß, werden Heizkosten immer nur für ganze Gebäude und dann auf Wohnfläche übertragen abgerechnet.

Außerhalb der Stadt heizen Menschen, die nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen sind, oft mit minderwertigen Brennstoffen, oft wird auch der Hausmüll in den eigenen Öfen verbrannt. Soweit ich weiß, wird das nicht bestraft.

Besonders absurd ist die Situation jetzt am Wochenende, weil erst vor wenigen Wochen die PiS-Regierung die Förderung von Windenergie massiv heruntergefahren hat, um die Steinkohleförderung im Land zu stärken. Die etwa zehntausend Kumpel in Schlesien sind mit ihren Familien natürlich eine große Wählergruppe für die PiS. Hier sind noch Kämpfe mit der Kohlelobby auszutragen, wie sie Deutschland schon zwanzig Jahre hinter sich hat.

Den Vogel hat aber ausgerechnet der Gesundheitsminister Konstanty Radziwiłł (selbst Arzt) abgeschossen, der vor ein paar Tagen meinte, die Luftverschmutzung in Polen sei ein »theoretisches Problem«, es würden ja auch Menschen rauchen.

Diese »Argumente« von hochrangigen Politikern der aktuellen Regierung lassen mich immer wieder völlig fassungslos den Kopf schütteln.

Autsch

Fahrradfahren im Winter

8. Januar 2017, 14.56 Uhr

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Fahrradfahren im Winter geht in Berlin nicht (zumindest nach Schneefall), weil die Radwege nicht vom Schnee befreit werden.

Fahrradfahren im Winter geht in Warschau nicht, weil es so dermaßen kalt ist, dass auch lange Unterhosen und dicke Wollsocken kaum warmhalten. Zumindest dann nicht, wenn man eine Stunde auf einer Demo in der Kälte stand.

Autsch

Die Prinzwerdung des Edvard M.

22. November 2016

16.43 Uhr. Der Ring:

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16.57 Uhr. Händchenhalten gegen die Angst (dreißig Sekunden später tat’s wohl ein bisschen weh):

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