15. April 2017, 12.42 Uhr

Wer sich fragt, warum ich gestern mit drei verschiedenen Zügen nach Warschau fuhr:

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Zum einen hatte ich – wie man sich denken kann – wenig Lust darauf, in Berlin wieder von einem übereifrigen Schaffner des Zuges verwiesen zu werden, weil ich keine Reservierung für mein Fahrrad hatte. Also dachte ich mir von Anfang an, mit dem Regional-Express von Berlin bis Frankfurt (Oder) zu fahren und erst dort in den Fernzug nach Warschau umzusteigen. Denn die polnischen Schaffner juckt es bekanntlich nicht, wenn kein Fahrradabteil im Zug ist und ich das Fahrrad einfach am Ende des Zuges abstelle.

Also wollte ich die Fahrkarte von Berlin bis Warschau durchgehend als Eurocity-Fahrkarte buchen und dann aus eigenen Stücken »downgraden« und nur Regional-Express fahren (das ist grundsätzlich immer möglich; man kann also theoretisch eine ICE-Fahrkarte kaufen und dann nur Regionalbahn auf gleicher Strecke fahren – umgekehrt geht das selbstredend nicht).

Aber das Buchungssystem der Deutschen Bahn hat mir mal wieder meinen Plan verdorben. Für die von mir gewählte Frühnachmittags-Verbindung gibt es keinen durchgehenden Zug von Berlin nach Warschau, nur den Zug von Berlin nach Gdynia, den man in Poznań verlassen und dort in einen direkt am gleichen Bahnsteig stehenden anderen Zug umsteigen muss.

Das Buchungssystem der Bahn bietet mir diese Verbindung an, ich kann sie theoretisch auch kaufen, aber praktisch bricht das System den Buchungsvorgang kurz vor dem Zahlen ab, da keine Zeit mehr sei, die Fahrkarten mit der Post zu versenden.

DEUTSCHE BAHN, ICH WILL ONLINE BUCHEN! DA MUSS MAN KEINE FAHRKARTEN MIT DER POST VERSCHICKEN!

Ich vermute, dass der andere Zugtyp von Poznań nach Warschau das Problem ist. Wahrscheinlich ist das Buchungssystem nicht in der Lage, für den in Deutschland unbekannten Zugtypen TLK (so etwas wie ein in Deutschland nicht mehr verkehrender Interregio) ein Ticket zu erstellen, das man sich selbst ausdruckt.

Also habe ich für die Verbindung von Rzepin (das ist der erste Bahnhof in Polen) bis Poznań eine Fahrkarte und für die Verbindung von Poznań nach Warschau noch eine weitere bei PKP Intercity gebucht. Denn auch die PKP ist nicht in der Lage, mir nur ein Ticket für die gesamte Strecke auszustellen. Man muss wegen der zwei Zugtypen wirklich zwei getrennte Tickets kaufen.

Nur von Rzepin (statt von Frankfurt) deswegen, weil die Reservierung für ein Fahrradabteil auch bei der PKP online nicht grenzüberschreitend möglich ist.

Nun wusste ich also, dass der Zug garantiert ein Fahrradabteil hat (denn ich hatte ja die Reservierung dafür), konnte aber in Berlin noch nicht in den Berlin-Gdynia-Express steigen, da ich keine Fahrkarte für den Eurocity von Berlin bis Rzepin hatte.

Toll, oder?

Das Stückwerk an Fahrkarten kommt am Ende ein klein bisschen teurer, als wenn ich mir das angebotene Europa-Sparpreisticket gekauft hätte. Sparpreis bei der Bahn wären 29,95 Euro plus 6 Euro für das Fahrrad gewesen. Nun zahle ich etwa 37 Euro. Also kein Drama. Aber auch nur, weil ich mir das Regional-Express-Ticket am Automaten über die VBB-Maske gekauft habe. Außerdem musste ich nun de facto von Frankfurt (Oder) bis Rzepin schwarz fahren. Sind nur 20 Minuten und etwa 20 Kilometer. Aber eben 20 Kilometer ohne gültiges Ticket.

Was machen bitte Leute, die nicht – wie ich – die Tücken dieser Buchungssysteme kennen und außerdem einen Account bei der PKP haben? Die wollen die Fahrkarte buchen. Es geht nicht. Also fahren sie Auto.