Archive for April 3rd, 2017

Arbeit

jest 18:17

3. April 2017, 18.17 Uhr

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Ausblicke

Dobry wieczór Warszawo

3. April 2017, 17.58 Uhr

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(Wach seit 8.)

Ausblicke

Ich kann’s kaum erwarten

3. April 2017, 10.02 Uhr

Nun habe ich drei bepflanzte Blumenkästen auf dem Balkon (für die ich mir noch etwas ausdenken muss, wie ich sie vor die Brüstung und etwas tiefer anbringen kann) und kann es kaum erwarten, es beim Morgenkaffee bald sprießen und wachsen zu sehen:

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Ende Mai werde ich einundfünfzig Jahre alt. Ich kenne das Spiel also.

Winter. Frühling. Sommer. Herbst.

Kälte. Nässe. Dunkelheit. Wärme. Licht. Gute Laune.

Trotzdem wird es jedes Jahr intensiver, was ich empfinde. Gleichzeitig habe ich auch das Gefühl, dass es irgendwie zu schnell geht mit dem Start des Frühjahrs. Nicht, dass es mir zu früh im Jahr wäre (ich glaube, dieses Jahr dauerte es besonders lange). Es ist eher, dass ich diesem Erwachen der Natur gerne vier Wochen zusehen würde. Und nicht nur einer Art Explosion von drei Tagen.

Über den Winter habe ich mich so an den Anblick kahler Bäume und nichtgrüner Flächen gewöhnt, dass ich mir im Moment kaum vorstellen kann, dass in zwei Wochen wirklich alles grün und bunt sein wird.

Und ein bisschen Wehmut schwingt da seit ein paar Jahren auch mit. Irgendwann mit Mitte oder Ende vierzig ist mir sehr bewusst geworden, dass ich dieses von mir so geliebte Naturspektakel eben nicht mehr unbegrenzt erleben werde. Wenn ich Glück habe, vielleicht noch dreißig Mal. Wenn es blöd läuft, nur noch zehn Mal.

Als meine (von mir sehr geliebte) Tante im frühen Sommer 2012 ihre Krebsdiagnose bekam und damit auch klar war, dass sie keine fünf Jahre mehr leben würde, sondern eher noch zwei oder drei, war auch einer meiner Gedanken, wenn sie Glück hat, darf sie noch zweimal einen Frühling erleben. Ich sprach das dann auch aus. »Winnie, wenn es gut läuft mit deiner Chemo, darfst du es noch zweimal Frühjahr werden sehen.« Und so war es dann auch. Es gab noch zweimal relativ unbeschwert Frühling für sie. Bevor es dann im Sommer echt Scheiße wurde. Und sie zum Ende des Sommers 2014 starb.

Absurderweise erkrankte ich kurz nach ihrer Diagnose selbst so sehr, dass es fast ein kleines Wunder ist (auf alle Fälle ein großer Verdienst der Medizin und der pharmazeutischen Entwicklung), dass ich nun schon den fünften Frühling seither erleben darf.

Man wird (oder ich werde), wenn man solche Dinge erlebt hat, auf alle Fälle demütiger gegenüber dem Leben.

Beim Setzen der Tulpenzwiebeln gestern und vorgestern dachte ich an die Schönheit der Natur im Kleinen. An dieses Wunder, dass aus klitzekleinen Samen hundert Jahre alte Bäume werden können (die dann von idiotischen polnischen »Umweltministern« wegen ein bisschen Geld gerade massenhaft gefällt werden – aber das ist eine komplett andere Geschichte) und dass sich seit Jahrmillionen dieses Wunder wiederholt. Und was für Würmchen in diesem Lauf wir Menschen doch sind.

Frühling ist toll.

Jetzt muss ich aber an die Arbeit.