3. Oktober 2016

18.25 Uhr. Im Sejm brennt noch Licht:

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18.30 Uhr. Es regnet wirklich unglaublich stark. Trotzdem wird weiter gepfiffen, gebuht, getrommelt, mit Vuvuzelas getötet:

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18.33 Uhr:

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Der Demozug bis zum Sejm scheint wirklich komplett spontan abgelaufen zu sein. Die Straßen auf den etwa vier Kilometern zwischen Schlossplatz und Parlament waren nicht für den Autoverkehr abgeriegelt. Die Masse hat sich den Platz auf der Straße einfach selbst genommen. Busse und Straßenbahnen standen still. Autos sowieso. Es läuft alles sehr gesittet ab, aber eben auch ein bisschen anarchistisch.

Meine Einschätzung ist, dass es Kaczyński, Szydło & Co diesmal überzogen haben. Die Entmachtung des Verfassungsgerichts und die Kündigung einiger Bediensteter beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen haben viele Leute zwar empört, es war den meisten aber zu abstrakt, als dass sie sich tatsächlich dagegen gewehrt hätten.

Die geplante und vom Parlament auch schon beschlossene Verschärfung der Abtreibungsgesetzgebung greift aber massiv in das persönliche Leben mehr oder weniger aller ein. Wenn dieses Gesetz tatsächlich noch die zwei nächsten Stufen (Regierungskommission und Unterschrift des Staatspräsidenten) nehmen sollte, geht es in Polen ab. Aber so richtig. Ich glaube, dann ist Schluss mit dem gesitteten Verhalten.

18.45 Uhr. Ich bin inzwischen – trotz Regenjacke – total durchgenässt. Vor allem meine Hose ist nass. Und meine Schuhe. Ich bin vor fünfzehn Minuten im Dunkeln mit beiden Füßen in eine riesige Pfütze gelaufen und muss jetzt nach Hause.