10. September 2016

Diese kleine Gesichte beginnt schon um 12 Uhr im Zug.

Die Reihe vor sitzt mir ein Paar, etwa mein Alter. Er liest in einem Buch, das ich selber besitze und das ich wegen des ungewöhnlichen Formats gleich erkenne. Ein Radfahratlas für Polen.

»Darf ich raten? Sie sind Radtouristen aus Deutschland auf dem Weg nach Masuren.«

»Ja, sind wir.«

Im Zug keine große weitere Unterhaltung.

Nach knapp drei Stunden Fahrt steigen wir zusammen in Allenstein (Olsztyn) aus. Am Bahnhof quatschen wir noch ein bisschen, ich denke, vor allem die Frau hört sich irgendwie leicht schwäbisch an.

Die zwei wollen drei Wochen hier in Masuren mit ihren Rädern unterwegs sein und fliegen dann ab Warschau zurück.

»Darf ich fragen, wohin Sie dann fliegen?«

»Nach Stuttgart. Wir wohnen aber nicht in Stuttgart. In der Nähe. Den Ort kennen Sie vielleicht. Wegen der Bausparkasse. Wir kommen aus Schwäbisch Hall

Ich grinse, zücke meinen Ausweis und meine, sie sollen auf meinen Geburtsort schauen.

»Das ist ja verrückt. Bei Ihnen hört man das aber gar nicht, dass Sie aus Hall kommen.«

»Ich hab nie anders gesprochen. Obwohl ich dort geboren wurde und zwanzig Jahre gelebt habe.«

»Dann kennen Sie vielleicht auch Tullau. Da wohnen wir genau.«

»Mein vor knapp zwei Jahren verstorbener Onkel hat dort gelebt.«

»Wie hieß der denn?«

»Gallinat.«

»Nee, kennen wir nicht.«

Ich geben ihnen noch zwei Tipps (von in dem Buch angegebenen, aber inzwischen geschlossenen Campingplätzen), wünsche ihnen gute Fahrt und ziehe gen Innenstadt.