26. September 2015

18.49 Uhr. Im Treppenhaus liegt ein dicker roter Kater, den ich gestern erst auf der Straße gesehen habe:

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Wer hat den wohl ins Haus gelassen? Er bewegt sich völlig selbstverständlich durchs Treppenhaus, kommt mit mir nach oben und auch, als wohnte er schon immer hier, mit in meine Wohnung.

18.57 Uhr. Sehr zutraulich, sehr verschmust:

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18.59 Uhr. Farblich macht er sich gut auf meinem Parkettboden:

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Aber was mache ich jetzt mit ihm?

Ich hab kein Katzenklo und natürlich auch kein Katzenstreu hier. Der Kater scheint nicht kastriert zu sein. Meine Lust auf stinkende Katerpisse in der Wohnung ist nicht besonders groß. Der Kater selbst scheint sich sehr wohl in meiner Wohnung zu fühlen, liegt nach drei Minuten Nichtbeobachtung in meinem Bett.

Ich klingele bei meiner Nebenan-Nachbarin. Junge Frau, frisch eingezogen. Ich kenne sie noch nicht. Ich stelle mich kurz vor. Sie kennt den Kater nicht.

Ich klingele bei meiner Über-mir-Nachbarin. Alte Frau. Total unfreundlich. Vermutlich die, die vor Wochen die Polizei holen wollte, weil sie mein Fahrrad im Treppenhaus angeblich störte. (Statt der Polizei rief sie dann netterweise doch meinen Vermieter an, der mir das erzählte.) Ich bin trotzdem sehr freundlich. Ihr zeige ich auf meinem iPhone ein Foto des Katers, frage sie, ob sie ihn kennt. Sie: Nie! Und knallt mir ohne ein weiteres Wort die Türe vor der Nase zu. Na, die habe ich gefressen.

Ich weiß, dass die Rossmann-Filiale um die Ecke seit 18 Uhr geschlossen ist. Ich beschließe, das Risiko einzugehen, den Kater kurz alleine in der Wohnung zu lassen und zu schauen, ob mein kleiner Supermarkt nebenan Katzenstreu hat.

19.20 Uhr. Supermarkt hat kein Katzenstreu, Kater hat sich einen Platz in einem Regal gesucht. Der scheint hier länger bleiben zu wollen.

19.30 Uhr. Anrufversuch bei einem Warschauer Bekannten, der selbst eine Katze hat. Vielleicht hätte er mir sagen können, wo ich am Samstagabend Katzenstreu herbekomme. Wenn er ans Telefon ginge.

19.35 Uhr. Kurze Internetrecherche, Rossmann hat Katzenstreu im Angebot, die Rossmann-Filiale am Bahnhof Centralna hat bis 22 Uhr geöffnet. Über Nacht tut es auch meine Wäscheschüssel oder ein leerer Karton als Katzenklo.

19.50 Uhr. Ich mache mich noch einmal auf den Weg, der Kater beschließt, mich nach draußen begleiten zu wollen. Er ist wirklich so gut erzogen, dass er vor dem Eingang pinkeln geht. Und sich leider auch gleich danach mit seinem Hintern, Buckel machend und den Schwanz komisch in Wellen legend an ein Auto stellt und – ich erkenne es im Dunkeln nicht richtig – vermutlich sein Revier am Nummernschild des Wagens markiert.

Okay. Danke. Lieber Kater. Das hat sich jetzt erledigt. Das wirst du heute Nacht auch bei mir in der Wohnung machen. Kein Interesse. War trotzdem schön mit dir.

Soll ich mir eine Katze holen? Ich mag ja Katzen schon sehr.