21. Juli 2015

18.44 Uhr. Die letzten zwanzig Minuten muss ich irgendwo das Abbiegen nach links verpasst haben. Ich sah zwar, dass ein Radwegschild nach links zeigte, hab aber geschlafen und das nicht als Hinweis auch für mich erkannt. Nun bin ich in einem Dorf, das ich von meiner Tour von vor fünf Jahren schon kenne. Neukirch Höhe (Podgrozie):

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Auch hier würde ich schwören, dass die Straße vor fünf Jahren noch nicht in so gutem Zustand war.

Der Dorf-Konsum hat heute geöffnet und ist sehr gut besucht.

Vor dem Laden lungern etwa zehn junge bis mittelalte Männer herrum und trinken Bier oder spielen im Eingangsbereich des Ladens mit einem dort aufgestellten einarmigen Banditen. Sie sehen aus, als täten sie das täglich.

Ich kaufe mir ein bisschen Brot und Käse, um mich für den Heimweg zu stärken. Nach Frauenburg (Frombork) fahre ich nicht mehr. Das wären von hier noch einmal zehn Kilometer, die ich dann auf derselben Strecke wieder zurückfahren müsste.

Unterwegs hatte ich noch die Idee, bis Braunsberg (Braniewo) im Nordosten weiterzufahren und von dort den Zug zurück nach Elbing (Elbląg) zu nehmen. Aber anscheinend ist auch die Bahnstrecke Braniewo–Elbląg (Linia kolejowa nr 204) eingestellt. Vor fünf Jahren fuhr ich noch mit dem Zug auf der Strecke. Laut App wird mir stattdessen eine Verbindung über Deutsch Eylau (Iława) und Allenstein (Olsztyn) angeboten. Das ist total weit im Osten und viel zu weit im Süden:

Das Bahnsterben geht also auch in Polen weiter. Ich verstehe das gar nicht. Braunsberg (Braniewo) ist direkt nur etwa 40 Kilometer Luftlinie von Elbing (Elbląg) entfernt. Die Haffuferbahn (48 Kilometer Streckenlänge) fährt nicht mehr. Und die alte Preußische Ostbahn mit 53 Kilometern Streckenlänge ist nun auch nicht mehr in Betrieb.

Braunsberg ist hier in der Gegend die einzige bedeutende Stadt (17.000 Einwohner) und hat keinen direkten Bahnanschluss mehr an die nächste Großstadt, nämlich Elbing.

19.01 Uhr. Die Störche wohnen noch immer überall im Dorf:

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Zwischenzeitlich regnet es einmal kurz und heftig. Ich bin froh, mich unter das Vordach vor dem Dorf-Konsum stellen zu können. Und mein Entschluss steht nun: ich fahre direkt nach Elbing zurück.

20.05 Uhr. Ehemalige Reichsstraße 1, diesmal in Richtung Westen:

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Es fängt an zu tröpfeln.

20.21 Uhr. Das dürfte noch Original-Straßenbelag von 1920 sein:

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Ich fahre jetzt übrigens schon seit zehn Minuten durch ziemlich starken Regen. Noch ist es ganz angenehm, denn es ist ziemlich warm.

20.25 Uhr:

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20.27 Uhr. Jetzt schüttet es total:

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Ich habe mich unter das Vordach eines Lebensmittelladens geflüchtet.

20.36 Uhr. Im Westen bricht die Wolkendecke auf und gibt einen ziemlich abgefahrenen Abendhimmel frei:

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20.48 Uhr. Ich sag ja – ziemlich abgefahren:

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Ich freue mich auf eine heiße Dusche auf meinem Campingplatz.