22. September 2014, 11 Uhr

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne mit der Bahn fahre. Dass ich mich eigentlich fast ausschließlich mit der Bahn durch Europa bewege. Dass ich auch fast immer mein Fahrrad mit in den Zug nehme. Und genau diese Kombination vergrätzt mir das Bahnfahren immer wieder. Ich kann keinen ICE buchen.

Beruflich bin ich in diesem Jahr schon viermal in Karlsruhe gewesen. Es gibt von Berlin nach Karlsruhe (immerhin die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs) genau eine Zugverbindung am Tag, in der man ohne Umsteigen das Fahrrad mitnehmen kann.

Von Karlsruhe nach Berlin kommt man mit Fahrrad nur am Freitag umsteigefrei. Eine Verbindung in der Woche.

Ausnahme ist der Nachtzug. Nachtzugfahrten sind nicht jedermanns Geschmack. Aber gut.

Will man allerdings in die nur einundvierziggrößte Stadt Baden-Württembergs, nämlich nach Schwäbisch Hall reisen und sein Fahrrad mitnehmen, hat man ganz schlechte Karten:

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Direktverbindungen gibt es gar nicht. Geschenkt. Was einem aber statt dessen angeboten wird, ist irgendwie schon eine Frechheit (will man nicht morgens um sechs Uhr am Bahnhof stehen).

Siebenmal umsteigen, Fahrtzeit 9 Stunden und 41 Minuten. Normalpreis (mit BahnCard25): 76,50 Euro.

Zweimal umsteigen, Fahrtzeit 11 Stunden und 29 Minuten. Normalpreis (mit BahnCard25): 106,50 Euro.

Ich will nach Schwäbisch Hall fahren. Das sind etwa 550 Kilometer. Nicht in ein entlegenes Karpatendorf.

Immerhin gibt es eine Verbindung mit nur einmaligem Umsteigen, Fahrtzeit 8 Stunden und 7 Minuten, für ebenfalls 76,50 Euro. Da vertrödelt man aber fast zwei Stunden mit Warten auf dem Nürnberger Hauptbahnhof.

Begeisterte und wiederkehrende Kunden gewinnt man so aber nicht.

Nach Warschau kann ich übrigens viermal am Tag ohne Umsteigen binnen 5½ Stunden fahren. Für 48 Euro. Nach dort fährt aber auch nicht die DB, sondern die PKP.