17. November 2013, kurz nach 16 Uhr

Ich will ins Museum. Ich entscheide mich für die Alte Nationalgalerie. Museumsinsel. Weltkulturerbe. Man sollte meinen, wer sich dafür interessiert, hat zumindest etwas Manieren erlernt und kennt den gepflegten Umgang mit den Menschen um einen herum.

Weit gefehlt.

Vor dem Eingang steht eine kleine Schlange. Vielleicht zehn Leute. Ich bin zuerst etwas irritiert, ich kenne das vor der Alten Nationalgalerie nicht. Ich frage die zwei vor mir Stehenden, sie sagen mir etwas von museumskonservatorischen Gründen. Alles klar, denke ich. Es ist wohl zu voll. Jeder, der Museen kennt, weiß, dass dort immer nur eine gewissen Anzahl von Menschen hinein darf. Vermutlich auch aus brandschutzrechtlichen Gründen. Vor allem aber, um die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch werden zu lassen.

Nach drei Minuten Warten kommen zwei jungsche Burschen an der Schlange vorbei, beide vielleicht Anfang, Mitte Dreißig. Sie maulen die dort an der Türe stehende Museumsaufsichtsdame an, dass sie sich nicht anstellen wollen. Die Dame weißt die zwei Herren freundlich, aber bestimmt wieder zurück. Die zwei fangen an rumzumotzen und mit einer Museums-Förderverein-Jahreskarte zu wedeln. »Wir zahlen doch keine 60 Euro im Jahr, nur um uns dann hier anstellen zu müssen.« Die Museumsdame winkt weiter ab. Die zwei werden ein bisschen lauter und noch pampiger. »Das lassen wir uns nicht gefallen. Lassen Sie uns sofort rein.« Die Dame wimmelt weiter ab. Die zwei motzen weiter rum, ich kann nicht mehr an mich halten. »He, macht mal halblang. Man kann keine 5000 Leute auf einmal in ein Museum lassen. Das solltet ihr als Museumsförderer doch auch wissen.« »Lass das mal unsere Sorge sein.« »Auf solche Leute wie euch hat Berlin gewartet.« »Was mischst du dich hier ein? Das geht dich nichts an.« »Doch, das geht mich sehr wohl was an. Denn ihr Ärschlöcher führt euch vor meinen Augen total behämmert auf und vor allem wollt euch an mir vorbei ins Museum drängeln. Dann geht mich das sehr wohl was an.« »Pass mal auf. Wenn du uns hier beleidigst, hole ich sofort die Polizei.« »Ja, ich bitte darum. Sofort.« Inzwischen mischen sich auch andere aus der Schlange ein, lachen die zwei aus, schicken sie nach hinten ans Ende der Schlange oder fragen, ob das jetzt hier eine Zweiklassengesellschaft sei. »Ja klar ist das hier eine Zweiklassengesellschaft. Wir gehören zur ersten Klasse.«

Was für Vollidioten. Als dann ein paar Minuten später die Türe geöffnet und wieder einige Leute eingelassen werden, drängen sich diese zwei Deppen regelrecht mit ausgefahrenen Ellenbogen nach vorne und hinein. Die Museumswärterin versucht noch, sie zurückzupfeifen, das scheint sie aber nicht zu interessieren.

Ich muss ihnen dann am Kartenschalter, wo sie sich offenbar über die Kollegin an der Türe beschweren wollen, noch ins Ohr raunen »ich wünsche euch für immer und ewig schlechten Sex«.

Die zwei waren ohne Zweifel schwul. Die zwei waren ohne Zweifel FDP-Wähler. Die zwei waren ohne Zweifel von Beruf Sohn. Die zwei waren ohne Zweifel rücksichtslose SUV-Fahrer. Die zwei waren ohne Zweifel alles, was ich in jeweils einer Person kombiniert total verachte.

Wie kann man nur so Ich-bezogen und selbstgerecht sein?

Ich hoffe, dass mein Fluch mit dem schlechten Sex wirkt.