9. August 2013, 20 Uhr

Seit dem heftigen Nachtgewitter vom 6. August kommt »meine« Krähenmutti nicht mehr. Ich hoffe, ihr ist nichts zugestoßen.

Dass ich sie als die Mutter identifizieren konnte, kommt daher, weil sie während der Brutzeit, auch schon im letzten Frühling, für etwa vier Wochen nicht auf meinem Fensterbrett auftauchte. Und dass eine bestimmte Krähe nicht mehr kommt, kann ich an ihrem speziellen Charakter feststellen. »Mutti« war die Mutigste oder Gelassenste von allen. Sie setzte sich oft einfach nur so auf meine Fensterbank. Kam wirklich zum Fressen, ließ sich beobachten, wie sie Erdnüsse aufpickte, machte manchmal sogar durch lautes Krähen auf sich aufmerksam, wenn das Futter alle war und sie Nachschub haben wollten.

Seit zwei Tagen kommen nur noch die Kinder. Oder Vati. Sie flattern ganz kurz und hektisch auf die Fensterbank, schnappen sich ihr Futter und verschwinden sofort wieder.

Ich bin traurig. Vor allem fehlt mir die lustige Morgenunterhaltung. Ich konnte wirklich Wetten darauf schließen. Fenster auf (wenn es nicht schon offen war), Teller mit Erdnüssen oder Katzentrockenfutter raus, spätestens zwei Minuten später war Mutti zur Stelle.