8. Juli 2013

18.25 Uhr. Fast im masurischen Urwald verschwunden: Bahnsteigkante und Empfangsgebäude des Bahnhofs Görlitz (Gierłoż):

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In der heute als Touristenattraktion fungierenden eigentlichen Wolfsschanze (alles nördlich der Bahnlinie) war ich nicht. Ein Parkplatz voller Autos, unterwegs kamen mir zwei deutsche Reisebusse voller Rentner entgegen, das wollte ich mir echt nicht antun. Stattdessen fahre ich weiter Richtung Osten und entdecke dort im Wald weitere zugewuchterte Gebäude.

18.37 Uhr: Das hier dürfte das ehemalige Hotel der Hitlerschen Leibwache sein (siehe Wikipedia-Plan, Nr. 27):

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18.39 Uhr. Der ehemalige Luftschutzraum (auf Plan Nr. 28):

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18.40 Uhr:

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18.41 Uhr. Der etwa drei Stockwerke hohe Bunker:

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18.42 Uhr. Heute wohnen darin Fledermäuse:

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18.43 Uhr. Auf dem Dach des Hochbunkers:

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18.47 Uhr. Ein Friedhof neben einer weiteren Ruine (auf Plan Nr. 35):

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18.48 Uhr. Was mich doch etwas irritiert, ist dieser Grabstein (die Grabsteine auf den anderen, insgesamt etwa fünf bis acht Gräbern kann man nicht entziffern oder sind umgestürzt und zerbrochen):

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Hier ruht in Gott
mein lieber Mann
unser guter Vater
Max Schiwek
geb. 19.3.1934
gest. 1.8.1961
Ruhe sanft

Warum ist hier mitten im Wald, mitten in nordöstlichsten Zipfel Polens, in einem Ruinenfeld des militärischen Lagezentrums des »Dritten Reiches«, ein Deutscher, der 1934 geboren wurde und 1961 starb, beerdigt? Der gute Mann war am Ende des Krieges elf Jahre alt.

Sein Grab ist mit Blumen, zwar Plastikblumen, aber immerhin mit Blumen geschmückt. Das Grab sieht halbwegs gepflegt aus.

Sehr merkwürdig. Auch dass auf den anderen Gräber frische (Plastik-)Blumen stecken, finde ich sehr irritierend.

Ab hier verlasse ich die Wege, die in meinem Radatlas eingezeichnet sind. Ich begebe mich nun in Apples Hand. Apple Maps gibt einen Fußweg nach Lötzen (Giżycko) an, der kürzer ist als die Straßenverbindung dorthin.

Die Straßenverbindung:

Die Fußgängerverbinung:

Kurze Zeit später bereue ich meine Entscheidung. Ich fahre wirklich mitten durch Felder und durch den Wald und werde augenblicklich von Abertausenden von Bremsen attackiert. Auch Autan hilft nicht.

Es ist wirklich unglaublich mit den Biestern. Reduziere ich die Geschwindigkeit auf unter 15 km/h, habe ich sofort Dutzende von den Viechern an mir kleben. Ich kann aber nicht schnell fahren, da der Weg ziemlich sandig ist und ich ständig auf der Hut sein muss, nicht mit einem sich querstellenden Vorderrad auf die Fresse zu fliegen.

Mir kommt die rettende Idee: Ich habe Mentholzigaretten dabei. Eigentlich, um unter Umständen mal einen Joint zu bauen. Denn eigentlich bin ich Nichtraucher. Ich paffe jetzt eine Zigarette nach der anderen. Das vertreibt die Bremsen ein wenig, macht das Fahren aber auch nicht einfacher.

19.17 Uhr. Noch eine Herausforderung. Das ist keine kleine Pfütze, hier ist der Weg auf eine Länge von mindestens hundert Metern überflutet:

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Mit Anlauf durchfahren wird nicht helfen. Mir ist auch wieder der Untergrund zu kritisch. Hier eine Reifenpanne und ich bin verloren. Also fahre ich relativ langsam in das vermeintlich nicht zu tiefe Wasser, was sich dann aber doch nach ein paar Metern als mindestens knöcheltief entpuppt.

Erschreckt springen einige Frösche in dem Wasser zur Seite. Ich bete zu wem auch immer, dass es mich nicht auf die Fresse legt. Denn dann möchte ich sterben.