20. Mai 2013, 8.28 Uhr

Heute kann ich Folgendes den dritten Morgen in Folge beobachten: Auf der Wallstraße vor meinem Haus steht ein mittelalter Mercedes mit litauischem Kennzeichen, in dem offensichtlich drei Personen übernachtet haben.

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Die drei Personen wachen und »stehen« auf. Eine relativ schick angezogen Frau und zwei eher bäuerlich wirkende Männer. Die Frau macht sich vor dem Auto fein (sprich: sie streift sich ihre zerknitterten Klamotten glatt), die Männer fangen sofort an, Kette zu rauchen.

Sonst passiert nichts. Das Auto wurde seit drei Tagen keinen Meter bewegt, auch wenn ich tagsüber ab und zu rausschaue oder an dem Wagen vorbeilaufe, sind diese drei Personen am oder im Auto.

Was machen die da? Warum sind die in Berlin? Familiendrama (der Frau wurde das Kind von deutschem Mann entführt, ihre beiden Brüder begleiten sie)? Wochenendurlaub (die drei arbeiten in Berlin und sparen sich das Geld für die Übernachtung, weil es warm genug ist und sie an den Feiertagen, an denen sie nicht arbeiten, kein Geld für eine Pension ausgeben wollen)? Terroristen (die drei spähen meine Nachbarschaft aus – wonach auch immer)?

Ich werde nachher mal mit einem Liter heißem Wasser, drei Tassen, Tee und löslichem Kaffee runtergehen und fragen, ob sie nicht wenigstens ein Heißgetränk zum Frühstück zu sich nehmen wollen.

Nachtrag 11.30 Uhr: Das mit der Heißwasser- und Teereichung kann ich mir sparen. Irgendeiner meiner wirklichen Stasi-Nachbarn hat offenbar die Polizei gerufen. Die drei Litauer wurden überprüft, wohl für harmlos gehalten (der Polizeiwagen verschwand recht schnell wieder), die Litauer sind aber auch »abgereist«.