Archive for Juli 14th, 2010

Ausdauer, Ausflüge

Fünfundvierzig Minuten Verspätung

14. Juli 2010, 23.05 Uhr

Der Zug hatte zwar mächtig Verspätung, aber ich bin jetzt glücklich wieder zu Hause. Also in Zoppot (Sopot).

Ausflüge

Preußische-Ostbahn-Fundstücke

14. Juli 2010

Jetzt fahre ich mit dem Zug das zurück, wofür ich heute den ganzen Tag mit dem Fahrrad unterwegs war. Einmal Braunsberg (Braniewo) – Elbing (Elbląg) und dann weiter nach Danzig (Gdańsk) beziehungweise Zoppot (Sopot).

20.10 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit = 21.10 Uhr Kaliningrader Zeit. 26 Grad Celsius = 26 Grad Celsius. Das ist für Ostpreußen – vor allem abends um acht – schon beachtlich.

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20.13 Uhr. Rechts neben uns das zugewucherte russische Breitspurgleis. Es ist nicht mehr viel zu sehen vom ehemaligen Glanz der Preußischen Ostbahn:

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20.28 Uhr:

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20.38 Uhr:

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21.46 Uhr. Für mich völlig unvermittelt taucht die Weichselbrücke bei Dirschau (Tczew) auf:

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Ausflüge

Die Russen sind vielleicht drauf …

14. Juli 2010, 20.10 Uhr

Wollte ich doch eben versuchen, mir in einem der beiden russischen Schlafwagen ein Bier zu holen. Ich habe sogar noch zwanzig Rubel dabei.

Bier wird keines verkauft (obwohl alle Abteile total voller Bierflaschen sind). Die Wagen sind nicht nur außen neu lackiert, sondern wirklich neu. Mit Digitalanzeige der Uhrzeit (der russischen natürlich) und der Temperatur. Mit Dusche. Und auch sonst ganz schick. Das wollte ich fotografieren. Kommt da gleich der russische Schlafwagenschaffner an und will mir die Kamera aus der Hand nehmen. Dem hab ich aber was gehustet. Oder ist ein russischer Schlafwagen auf Gleisen eines EU-Staates etwa so etwas wie exterritorales Gebiet, auf dem russches Gesetz gilt? Und überhaupt. Das ist ein Schlafwagen! Keine SS 20!

Die sind vielleicht drauf! Voll ostig. Wie zu DDR-Reichsbahn-Zeiten. Da durfte man auch keine Fotos von Bahnanlagen machen. Könnte ja gegen sie verwendet werden.

Die Gegend, die an mir vorbei zieht, scheint wie aus der Zeit gefallen. Verlassene Bahnhöfe, alte Bauernhäuser, Wälder, weite Felder, rechts neben dem Zug ein verwaistes, nicht mehr befahrenes zweites Gleis. Ich schätze, das hat die russische Breitspur. Streckenweise komplett zugewachsen. Wie schnell sich Bäume solche Gebiete wieder holen können!

Ausdauer, Ausflüge

Riesenbahnhof am Ende der Welt

14. Juli 2010, 19.45 Uhr

Mit Braunsberg (Braniewo) habe ich den östlichsten Ort meiner Radtour erreicht. Seit zehn Minuten bin ich in dem Zug nach Zoppot (Sopot), der in fünf Minuten losfahren wird.

Dieser Bahnhof ist riesig. Sowohl das Empfangsgebäude als auch die Gleisanlagen. Den größten Teil davon kann ich nur erahnen. Vermutlich Umspuranlagen und ein zusätzlicher Bahnhof in russischer Breitspur.

Der nächste Bahnhof im Nordosten ist etwa zwölf Kilometer entfernt, Heiligenbeil (Мамоново), der liegt bereits in Russland, in der Oblast Kaliningrad.

Auf dem Bahnhof ist – was die Reisenden angeht – kaum etwas los. Dafür bahntechnisch umso mehr. Zwei frisch lackierte Schlafwagen der russischen Eisenbahnen (Zuglaufschild: Калинингад-Берлин, also Kaliningrad-Berlin) wurden dem restlichen Zug, der aus zwei polnischen Wagen und einer etwa fünfteiligen Rheingold-Garnitur (!) besteht, voran gekoppelt.

Wir zuckeln jetzt im Superschneckentempo auf der alten Ostbahn gen Westen.

Auf der Ostbahn brausten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Schnellzüge von Königsberg Hauptbahnhof nach Berlin-Ostbahnhof und brauchten dafür etwa sechs Stunden. Ich tippe, dass die Schlafkurswagen aus Kaliningrad nicht weniger als zwölf Stunden unterwegs sind.*

Es ist total stickig in dem Zug. Immerhin lassen sich die Fenster öffnen.

* Nachtrag am 15. Juli 2010, 16 Uhr: Der einzige durchgehende Zug von Kaliningrad nach Berlin ist der Zug, mit dem ich gefahren bin. Er verlässt Kaliningrad Hauptbahnhof (Калининград-Пассажирский) um 18.23 Uhr (russischer Zeit) und kommt in Berlin-Lichtenberg an um 7.12 Uhr. Braucht also 14 Stunden und 49 Minuten.

Ausdauer, Ausflüge

Deutsch-polnisch-russische Begegnungen in Ostpreußen

14. Juli 2010

19.16 Uhr. Ankunft am Bahnhof Braunsberg (Braniewo):

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19.17 Uhr. Schlafwagen der Russischen Staatsbahn (Российские железные дороги – РЖД):

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19.18 Uhr. Ein deutscher Rheingold-Zug auf einem russisch-polnischen Grenzbahnhof:

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19.22 Uhr:

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19.29 Uhr. Schlaf-Kurswagen Kaliningrad–Berlin (Калинингра́д–Берли́н):

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19.34 Uhr. Rangierarbeiten. Die Rheingold-Garnitur wird mit dem russisch-polnischen Zug verkuppelt:

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Ausdauer, Ausflüge

jest 18:17

14. Juli 2010, 18.17 Uhr

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Ausblicke

Rast im Storchennest

14. Juli 2010, 17 Uhr

Etwa eine halbe Stunde habe ich nun meine erste heutige Rast in Neukirch Höhe (Podgrodzie) gemacht. Das mit der Höhe stimmt schon mal. Auf den letzten zwanzig Kilometern war es ziemlich hügelig. Ich glaube, ich habe jetzt den höchsten Punkt meiner heutigen Tour erreicht.

Um mich herum mindestens sieben Storchenpaare. Von irgendwoher klappert es immer. Sonst ziemlich tote Hose in dem Nest. Ab und zu laufen ein paar Hunde über den Dorfanger, alle paar Minuten fährt ein Auto auf der Straße von Elbing (Elbląg) via Frauenburg (Frombork) nach Braunsberg (Braniewo).

In gut zwei Stunden geht mein Zug von Braunsberg (Braniewo). Insgesamt habe ich noch etwa zwanzig Kilometer Strecke vor mir. Viel Zeit, um mir Frauenburg (Frombork) anzusehen, werde ich leider nicht haben.

Ausblicke

Rast in Neukirch Höhe

14. Juli 2010

Rast in Neukirch Höhe (Pogrodzie), auf halbem Wege zwischen Elbing (Elbląg) und Braunsberg (Braniewo).

17.01 Uhr. Sklep spożywczy – leider geschlossen:

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17.38 Uhr. Von Elbing (Elbląg) habe ich etwa 22 Kilomter hinter mir, nach Braunsberg (Braniewo) noch etwa 20 Kilometer vor mir:

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17.40 Uhr. Zwar kein frischer Imbiss, dafür haufenweise Storchennester um mich herum:

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17.41 Uhr:

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17.58 Uhr. Süß, oder?

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