9. Juli 2010, 2 Uhr

Gleich mal als Vorabinfo: ich hab keine Ahnung, wo ich genau bin. Ich könnte natürlich auf eine meiner vielen Karten schauen, dann hätte ich eine ungefähre Ahnung. Aber alles östlich von Danzig ist absolutes Neuland für mich. Alles ist neu oder fremd für mich.

Heute Abend also ein Karaoke-Abend mit Kontakt zu Einheimischen. Der etwa fünfzigjährige Herr, der mich zum Wodka eingeladen hatte, führte mich noch in sein Haus – direkt hinter der Dorfkneipe, die seine zu sein scheint – zeigte mir das Gemäuer, die alte Kornmühle, einige alte Bilder, immer mit dem Hinweis „original deitsch“. Mehr Deutsch sprach er nicht. Doch, ab und zu sagte er noch, auf sich zeigend „normal polak“, auf mich zeigend „normal deitsch“. Ich habe es mal so verstanden, dass wir zwei die einzigen Normalen unter unseren Landsleuten seien. Und immer wieder musste ich noch ein Bier trinken.

Zwischendurch tauchten sein Sohn (natürlich unverschämt attraktiv) und seine Tochter auf. Mit der Tochter auch noch ein Bier. Sie spricht Englisch. Mit ihr konnte ich mich unterhalten, sie musste auch Dolmetscherin für ihren Vater spielen.

Im kurz vor zwei Uhr, als mir noch ein Bier angeboten wurde, habe ich kapituliert. Ich werde hier in Polen noch zum Alkoholiker. Schlimm. Aber lustig war es.