4. Juli 2010, 0.50 Uhr

Obwohl mir jetzt schon so vieles vertraut vorkommt hier an der Danziger Bucht (ich wusste beispielsweise, dass jetzt zur Minute der letzte Zug von Hel nach Gdynia hupend am Campingplatz vorbeifahren würde), bekomme ich langsam Heimweh nach Berlin. Gar nicht so sehr nach der Stadt, schon gar nicht nach dreißig Grad Hitze in der Nacht, eher nach meiner Wohnung. Nach meinem Bett. Nach Kaffee morgens direkt nach dem Aufwachen.

So lange war die Tour gar nicht geplant. Ich dachte, ich schaffe hundert Kilometer am Tag und damit die Gesamtstrecke in locker einer Woche.

Es ist wunderschön hier. Ich sitze im Freien, in einer lauen Nacht, über mir die Sterne in ganzer Pracht, im Norden der Himmel, der nicht dunkel wird, im Osten krabbelt der Mond langsam über den Wald. Kein Geräusch ist mehr zu hören. Toll. Und trotzdem muss ich wohl bald zurück in die laute Großstadt ohne Sternenhimmel.

Gestern und heute am Strand und auf dem Fahrrad gingen mir Dinge durch den Kopf, die eigentlich Quatsch sind. Ich habe mich gefragt, ob meine Großmutter wohl wieder nach Zoppot hätte ziehen wollen. Als ich mit ihr vor fast zwanzig Jahren hier war, war an so etwas überhaupt nicht zu denken. Wenn ich wollte, könnte ich meine Siebensachen packen und mir hier eine Wohnung nehmen. Sofort. Dank EU-Freizügigkeit würde mich niemand daran hindern. Meine Oma wäre jetzt fast zweiundneunzig. Denkbar wäre es. Oma in Zoppot besuchen. Da würde es denn auch Kaffee am Morgen geben.

Der Himmel ist fantastisch. Ab in zwei Wochen kann man wieder Sternschnuppen sehen.

1.11 Uhr:

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Jetzt geh ich erstmal schlafen. Morgen geht’s nach Zoppot, dort ab in den Waschsalon, Montag kommt hoffentlich meine Post aus Berlin (wenn sie heute nicht schon da war), danach noch zwei Tage Strecke fahren bis auf die Frische Nehrung. Dann wäre ich einmal die komplette polnische Ostseeküste abgefahren. Davon kann ich dann hoffentlich bis nächsten Sommer zehren.