3. November 2009, 17 Uhr

Es ist kalt geworden in Sofia. Während man sich letzte Woche noch relativ dünn bekleidet in die Sonne setzen konnte, liegt jetzt Schnee. Nicht viel, aber er bleibt liegen.

Egal, wo man reinkommt und dort eine Heizung vorhanden ist, wird diese voll aufgedreht. Mein Hotelzimmer hatte gestern, als ich ankam, 30 Grad Celsius. Und das ist vermutlich noch untertrieben. Die Heizung ließ sich gar nicht erst abstellen. Temperaturregulierung also übers Fenster. Da bekomme ich ja die Krise.

Straßenbahnen haben offenbar keine Heizung. O-Busse schon. Entsprechend ist es da drin bollenwarm.

Eben bin ich mit einer Taxe vom Hotel, wo ich mein Gepäck deponiert hatte, zum Bahnhof gefahren. Auch dort im Innenraum Maximum, was die Heizung hergab.

Bevor wir losfuhren, meinte der Taxifahrer aber noch, die Motorhaube öffnen und im Motorraum rumschrauben zu müssen. Mir war schnell klar, warum. Wenn er den Fuß vom Gaspedal nahm, ging der Motor aus. Nebenan an der Straßenbahnhaltestelle fuhren zwischenzeitlich zwei meiner Trams vorbei. Ich stieg dann irgendwann wieder aus und sagte auf deutsch (er verstand schon mein „main station“, „gare“ und „гара/gara“ nicht), junger Mann, wenn sie jetzt ihr Taxi erst noch reparieren müssen, packe ich mein Gepäck wieder aus und nehm die Tram. Dann schloss er die Motorhaube, orgelte noch ein bisschen rum und fuhr los. Mit ständig absterbendem Motor. Es war übrigens so ein Kleinstwagen. Hyundai oder so. Sehr eng. Und sehr ausgelutscht, die Karre. Und total verqualmt.

Noch was gelernt: Taxifahrer sehen Fahrgäste mit Gepäck und ohne freie Hand bei Dreckswetter ankommen und machen natürlich nicht die Türen auf. Man kann ja sein Gepäck erstmal in die Pfützen stellen.

Gekostet hat die Fahrt laut Taxameter übrigens 1,80 Lewa. Da kommt mir der erste Taxifahrer in Bansko in den Sinn, der 10 wollte und sich 20 krallte. Schlitzohr.

Jetzt sitze ich – wieder bei maximal aufgedrehter Heizung – im sehr modernen und bequemen Zug* der griechischen Eisenbahngesellschaft ΟΣΕ (wie die Logos verraten) nach Thessaloniki. Das wäre dann das siebte Land auf meiner Reise in den Südosten unseres Kontinents. Und meine erste Zugfahrt mit der Bahn ans Mittelmeer. Baden werde ich dort aber wohl nicht mehr können.

In zwei Tagen um diese Zeit bin ich wieder in Berlin. Ob da auch schon so viel Schnee liegt, wie inzwischen hier draußen?

*Nachtrag 18 Uhr: das mit dem „modernen und bequemen Zug“ nehme ich teilweise zurück. Ich war eben auf dem Klo. Räusper. Und warum dieser Zug, der immerhin fast sechs Stunden und zwischen zwei Hauptstädten (er fährt noch weiter bis Athen) unterwegs ist, kein Zugrestaurant führt, ist mir auch ein Rätsel.