Archive for Oktober 30th, 2009

Ausflüge

Wohl verdientes Mahl

30. Oktober 2009

Im Restaurant des Hotel Premier, Bansko, Bulgarien.

21.34 Uhr:

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21.44 Uhr:

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21.56 Uhr:

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22.27 Uhr:

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22.53 Uhr:

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Ausflüge

Ostblockphobie

30. Oktober 2009, 22.30 Uhr

An Ostblockphobie leide ich bestimmt nicht. Eher am Gegenteil. Deswegen winkt mein Wunschreisepartner, den ich mehr aus Spaß immer wieder frage, ob er nicht doch auf meine Exkursionen gen Osten mitkommen möchte, gerne ab. Er leidet ganz massiv darunter. Als ostsozialisierter ehemaliger Jungpionier. Aber Herr N., heute Abend wären auch Sie restlos begeistert! Das Hotel ist super, der Pool ist toll, die Sauna ist klasse, das Essen schmeckt köstlich, der Wein ist prima, das Hotelzimmer ist ein Traum! Seit zwei Stunden vermisse ich das erste Mal seit Abfahrt am Montag eine Reisebegleitung. Dich! Kommste das nächste Mal mit? Innen Osten?

(Was war das eigentlich gerade für eine Köstlichkeit, die mir als Dessert serviert wurde? Schokoladenfondue mit Eis? Oder so. Morgen früh geh ich joggen!)

Ausflüge

Hilfe, wo bin ich hier gelandet?

30. Oktober 2009, 18.30 Uhr

Um Gottes Willen, wo bin ich hier gelandet?

Je länger die Bahnfahrt wurde, umso düsterer wurde die Gegend um mich herum. Die letzten zehn Minuten der Fahrt gab es auch einmal wieder Leben draußen. Ich sah beleuchtete Gebäude, einen Supermarkt, eine Tankstelle, Ampeln. Dann also der Bahnhof Bansko, an dem ich ausgestiegen bin. Wieder stockdunkel. Kein Taxistand (wie ich erhofft hatte), knöcheltiefe Pfützen. Ich bin dann ein bisschen Richtung Licht (Stadtmitte) gelaufen. Wirklich nur ein paar Meter. Da kam eine Taxe angeschossen. Hielt sogar auf mein Handzeichen. Ich dem Taxifahrer (maximal 22 Jahre alt) die Adresse und den Hotelnamen gesagt, er pest los. Mit 60 Sachen durch Schlaglöcher und um Kurven rum. Der Ort wird auf einmal moderner. Und wirkt viel größer, als ich es noch am Bahnhof befürchtet habe. Ich sehe Restaurants, Cafés. Leben! Der Taxifahrer rast weiter. Der Ort wird wieder dunkler. Aber ganz viele Gebäude um uns herum. Lauter Neubauten. Größtenteils noch nicht fertig gestellt. Die Straße wird immer mieser, zum Schluss hin nur noch Schotterpiste. Mondlandschaft. Und dann wie ein Raumschiff: Mein Hotel. Ein Riesenkomplex. Ich frage den Taxifahrer, was die fünfminütige Fahrt kostet. Er sagt »ten«. Ich hab nur zwanzig Lewa. Er zuckt mit den Schulter, ob ich’s nicht passend hätte. Hab ich nicht. Er kramt in seiner Geldbörse, gibt mir 2 Lewa (das ist ein Schein) und ein paar Münzen und greift sich blitzschnell die 20 Lewa. Frech, denke ich. Die Zugfahrt mit der Rhodopenbahn (120 Kilometer, fünf Stunden) kostete 5,60 Lewa.

Ich also rein in den Hotelkasten. Anmeldeformular ausgefüllt. Werde mit Pagen aufs Zimmer gebracht. Was sage ich? Zimmer? Ich habe eine Wohnung! Die Küche ist üppiger ausgestattet als meine zu Hause. Ein Riesenbalkon. Ein Riesendoppelbett. Ein Esstisch mit Platz für sechs Personen. Geil! Ich kann es irgendwie nicht fassen. Ich weiß noch nicht, ob ich das jetzt total bekloppt finden soll oder einfach nur toll. Dieses Einrichtung inmitten von Baustellen und matschigen Wegen. Man sah auf der Fahrt auch nicht viel, weil offenbar noch keine Straßenlaternen installiert sind.

Okay, ich bin auf morgen gespannt. Auf das alles bei Tageslicht.

Jetzt gehe ich erstmal was essen. Oder erst ne Runde in den Pool? Oder in die Sauna? Ich lach mich tot.

Ausflüge

Rhodopenbahnfundstücke

30. Oktober 2009

16.24 Uhr. Bahnhof Jakoruda (ca. 890 Meter über NN):

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16.28 Uhr:

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16.29 Uhr. Fast hätte es eine tote Frau gegeben:

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16.51 Uhr. Haltestelle Jurukovo:

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16.57 Uhr. Dagonovo:

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17.06 Uhr. Bahnhof Belitsa:

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17.16 Uhr. Haltestelle General Kowatschew:

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17.36 Uhr. Bahnhof Raslog:

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Ausflüge

Erster Eindruck von der Rhodopenfahrt

30. Oktober 2009, 17.30 Uhr

Es ist alles sehr ärmlich hier. Wirklich sehr arm. Die Landschaft ist der Oberknaller. Vor allem diese Herbstfarben. Fast der gesamte Wald ist Laubwald. Jede/r kann sich nun denken, was das für eine Farbenpracht für mich war die letzten Stunden. Gleich ist es stockdunkel, in einer Viertelstunde bin ich am Ziel.

Die Menschen hier scheinen sich alle zu kennen. Jedenfalls begrüßen sich ganz viele mit Handschlag. Und ich bin der Alien für sie. Einige haben mich angesprochen, sie sind auf jeden Fall sehr kontaktfreudig hier. Wenn ich auch nicht so ganz verstehe, was sie von mir wollen. Bis auf Marianna spricht hier nämlich kein Mensch Englisch.

Ausflüge

Das Ende der Welt

30. Oktober 2009, 15.30 Uhr

Mir wird gerade bewusst, dass ich ans Ende der Welt reise. Oder noch weiter. Das ist eine dermaßen gottverlassene Gegend …

Ausflüge

Rhodopenbahnfundstücke

Ausflüge

Rhodopenbahnfundstücke

30. Oktober 2009

14.34 Uhr. Velingrad:

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14.37 Uhr. Bahnhof Velingrad Ost (ca. 780 Meter über NN):

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14.44 Uhr:

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14.46 Uhr. Bahnhof Velingrad West:

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14.47 Uhr:

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14.49 Uhr:

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14.58 Uhr:

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15.01 Uhr. Haltepunkt Ostrec:

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15.11 Uhr. Bahnhof Cventino: Pomaken steigen aus.

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15.21 Uhr. Haltestelle Sveta Petka (1043 Meter über NN):

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Westlich von Sveta Petka kommt der steilste und damit kurven- und kehrungsreichste Teil der Strecke (Karte muss ein bisschen nach rechts gescrollt werden):

Ausflüge

Lungenkrebs ist mir garantiert

30. Oktober 2009, 16.30 Uhr

Nach dieser Reise ist mir Lungenkrebs vermutlich sicher. Zum einen wegen des Passivrauchens, zum anderen wegen der ganzen Dieselrußwolken, die ich hier ständig abbekomme.

Wir waren eben in Jakorudo. Der erste größere Ort seit Velingrad. Richtig mondän sieht es hier aber auch nicht aus. Ich bin echt mal gespannt, was mich in Bansko erwartet. Die Hotelbilder sahen eher nach St. Moritz aus denn nach Kalkutta.

Ausflüge

Erster Aufstieg bewältigt

30. Oktober 2009, 14.30 Uhr

Wir scheinen den ersten Aufstieg bewältigt zu haben. Es war unterwegs wirklich eine Pracht. Ein Traum in Gelb und Rot. Wie muss das erst bei Sonnenschein aussehen?

Jetzt fährt der Zug (bzw. zuckelt und wackelt gemütlich) über eine Hochebene.

Noch ein paar Worte zu den Einheimischen: Völlig klar, dass auch in den Nichtraucherabteilen gequarzt wird, was das Zeug hält. Völlig klar auch, dass man seinen Müll aus dem fahrenden Zug schmeißt. Ich versteh’s nicht. Da haben sie hier so eine wunderschöne Natur und dann gehen sie so beschissen damit um.

Der Zug hält gerade in Velingrad. Das zusteigende Publikum wird sehr rustikal. Also wirklich sehr rustikal.

Bis eben saß ich alleine mit einem Typen im Abteil (von meiner Freundin Marianna hab ich mich schon vor einer Stunde verabschiedet, weil ich mich der besseren Aussicht wegen und weil man dort die Fenster ganz öffnen kann, in den letzten Waggon gesetzt habe), der versuchte mir mit ins Gespräch zu kommen. Ich scheine hier wie ein Außerirdischer zu wirken, so wie ich angeguckt werde. Der Typ also wollte mit mir reden. Über Fußball. Mit mir! Der ist vielleicht ein Viertel jünger als ich, hat aber maximal ein Viertel der Zähne, die ich noch habe (mein Gebiss ist bis auf Weisheitszähne und vier, die mir als Kind wegen Kieferregulierung entfernt werden mussten, noch komplett). Überhaupt scheint hier kaum einer noch all seine Zähne zu haben. Kein Wunder, dass ich auf 25 geschätzt werde.

Die Strecke wird wieder spannend.

Ausflüge

Rhodopenbahnfundstücke

30. Oktober 2009

12.52 Uhr. Im Bahnhof Septemvri (239 Meter über NN):

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12.55 Uhr:

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12.58 Uhr:

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12.59 Uhr:

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13.27 Uhr:

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13.29 Uhr:

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13.34 Uhr:

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13.40 Uhr:

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13.41 Uhr:

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13.43 Uhr. Tunnelfahrt – es war wirklich so finster im Zug:

13.47 Uhr:

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13.50 Uhr. Bulgarische Autofahrereisenbahnschrankendisziplin:

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13.51 Uhr:

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13.53 Uhr:

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13.54 Uhr:

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13.59 Uhr. Im Bahnhof Dolene (ca. 600 Meter über NN) wartet der Gegenzug:

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14.00 Uhr:

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14.03 Uhr. Die Linie in Bildmitte ist der etwa 100 Höhenmeter tiefer liegende Streckenabschnitt vor der Kehre:

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14.04 Uhr. In diesem Filmchen sieht man gut, was für einen Höhenunterschied der Zug in den letzten Minuten gemacht hat:

14.19 Uhr. Plattformmitfahrt:

14.24 Uhr. Bahnhof Kostandovo (ca. 800 Meter über NN):

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14.25 Uhr:

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Ausflüge

Abenteuer bosnische Spurweite beginnt

30. Oktober 2009, 13.08 Uhr

Laut Fahrplan fährt er in zwei Minuten ab. Der Schmalspurzug, in dem ich jetzt sitze. Unterwegs, noch im normalspurigen Zug zwischen Sofia und Septemvri, bekam ich schon eine Ahnung davon, was mich auf den nächsten 100 Kilometern (und fast fünf Stunden) erwarten wird: Berge, bunte Laubwälder, Nebel und leider auch viel Regen. Aber ab morgen soll die Sonne wieder scheinen. Drei Tage lang.

Der Zug hat such in Bewegung gesetzt. Wenn es viel ist, fährt er 40 km/h. Eher nur 30.

Schon im Zug von Sofia habe ich Reisebekanntschaft geschlossen. Bzw. sie mit mir. Ein junges Mädel, das in den Bergen wohnt. In Velingrad. Also auch mit mir mit der Schmalspubahn fährt.

In Septemvri hatten wir 40 Minuten Aufenthalt, sie fragte, ob wir Kaffee trinken wollten. Wollte ich. Ein bisschen Smalltalk. Wo ich herkomme, warum ich ausgerechnet nach Bulgarien reise, wie alt ich sei. Das mit den 43 Jahren wollte sie mir gar nicht glauben. Sie meinte, sie hätte mich auf 25 geschätzt. Sehr schön. Aber auch kein Wunder, wenn man sich die verlebten und verknitterten Menschen hier so ansieht. Raucher, lasst das Rauchen sein!

Noch drei Sätze zur Spurweite: Bosnische Spur nennt man Bahnen mit einer Spurweite von 760 mm. Normalspur sind in Mitteleuropa 1435 mm, in Spanien, Portugal und in der ehemaligen UdSSR sind es mehr. Schmalspurbahnen in Deutschland haben meist 1000 mm, manche auch 750. Diese 760 mm sind auf dem Balkan sehr verbreitet. Und in Österreich.

So, jetzt geh ich ein bisschen Fotos von der offenen Plattform des Wagens machen.

Ausflüge

Bulgarische Streckenfundstücke

30. Oktober 2009

Unterwegs von Sofia nach Septemvri:

11.27 Uhr:

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11.56 Uhr:

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12.08 Uhr:

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12.30 Uhr. Bahnhof Septemvri mit meinem D-Zug aus Sofia:

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12.52 Uhr:

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Ausflüge

Verwirrung total

30. Oktober 2009, 10.20 Uhr

Wie verwirrt man seine Fahrgäste am effektivsten? Indem man Gleise beziehungsweise Bahnsteige einmal arabisch und einmal römisch nummeriert. Mein Zug fährt von Gleis 6 (Bahndeutsch: „aus Gleis 6″), das Gleis 6 ist aber nicht Gleis VI. Außerdem fahren um 10.40 Uhr gleichzeitig zwei Züge von verschiedenen Gleisen in verschiedene Richtungen ab. Ich hoffe, ich besteige gleich den Richtigen.

Taxifahrt gab es nicht. Der Hotel-Empfangschef fuhr mich persönlich. Ich gab ihm 10 Lewa. Was vermutlich eindeutig zu viel war. Die Zugfahrkarte nach Septemvri kostet nur 8,30 Lewa.

Ausflüge

Sofioter Fundstücke

30. Oktober 2009

9.52 Uhr. Letzte Blicke ins Hotelzimmer:

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10.10 Uhr. Empfangshalle des Hauptbahnhofs Sofia (Centralna Gara Sofia):

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10.13 Uhr:

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Ausflüge

Abreisewetter

30. Oktober 2009, 9.15 Uhr

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Vor eineinhalb Stunden klingelte der Wecker. In eineinhalb Stunden geht mein Zug nach Bansko. Dass es dort nicht so ganz mit rechten Dingen zugeht, habe ich erst vor ein paar Tagen gelesen. Hmmm. Unterstützen will ich das ja nicht. Hoffentlich landet »mein« Geld nicht im Rachen der bulgarischen Touristenmafia.

Gefrühstückt habe ich schon. Schnell noch Taschen packen, auschecken und Taxe bestellen. Es sind zwar nur ein paar hundert Meter zum Bahnhof, bei dem Wetter will ich mir das aber nicht zu Fuß antun.