26. September 2009, 14 Uhr

Gestern Abend begann mein Holga-Experiment. Ich habe den ersten Mittelformatfilm meines Lebens verknipst. Alleine das Einlegen des Films in die Kamera (im Dunkeln!) ist ein Aufwand und ein Gefummel, wie man es sich mit einer Digitalknipse gar nicht mehr vorstellen kann.

Zwölf Bilder passen auf einen Film. Die waren schnell verschossen. Danach habe ich einen Kleinbildnegativfilm in meine Holga gelegt, aber vergessen, vorher den passenden 35-mm-Adapter innen ins Gehäuse zu setzen. Wenn der Adapter fehlt, kann man zwar auch fotografieren, allerdings hat dann offenbar der KB-Film keine richtige Führung und liegt mehr oder minder loddelig vor der Linse. Das in Kombination mit den massiven Lichteinfällen auf den Film (entweder vom nicht ganz dicht schließenden Gehäuse, vom anfangs nicht abgeklebten Filmzählers oder vom Filmwechsel) führt dann zu solchen Fotos:

2009-09-26-0130-holga.jpg

Mit meiner Lumix sieht dasselbe Motiv zu identischen Lichtverhältnissen so aus:

2009-09-26-0136.jpg

Die Frage »was haben Sie denn mit dem Film gemacht?« stellte mir die Fotolaborantin total entsetzt, als ich den Kleinbildfilm heute nach zwanzig Minuten entwickelt abholen konnte. Noch ein paar Bespiele gefällig?

Der Versuch einer Langzeitbelichtung:

2009-09-26-0140-holga.jpg

Dr. Helmut Kohl anno 1980 (fotografiert vom Fernseher) in Langzeitbelichtung – ab da hatte ich dann das Zählerfenster zugeklebt:

2009-09-26-0145-holga.jpg

Diese Aufnahme ist von heute Mittag:

2009-09-26-1046-holga.jpg

Vielleicht hätte ich diese Anleitung auf YouTube gestern schon sehen sollen:

Die Entwicklung des Mittelformatfilms dauert leider eine Woche. Ich glaube, dass darauf diese totalen Unschärfen nicht vorkommen werden, da der Adapter der richtige war.

Jetzt habe ich wieder einen 35-mm-Film drin – aber mit dem passenden Adapter. Und das Filmzählfenster ist abgeklebt.

Bis Ende nächster Woche ist hoffentlich auch mein neuer Scanner da. Den Microtek Scanmaker i800 von letzter Woche habe ich wegen der völlig unbefriedigenden Scangeschwindigkeit und auch enttäuschender Scanergebnisse zurückgeschickt. Die Scans hier habe ich mit meinem Kleinbilddiascanner (Nikon Super Coolscan 4000 ED) gemacht. Der scannt nur das reine Kleinbildformat. Der Clou an der Holga ist aber, dass sie auch Kleinbildfilme im Mittelformat belichtet. Also über die Transportstanzung hinaus. Das wiederum kann ich nur mit einem Durchlichtscanner scannen. Es bleibt also spannend.

Bisher finde ich die Ergebnisse ganz charmant. Ich werde vermutlich noch einiges an Lehrgeld in Form von sinnlos verschossenen und entwickelten Filmen bezahlen müssen. Aber ich bin froh, wenn ich am Ende pro Film ein richtig tolles Foto gemacht habe. So hielt ich es früher, als ich nur analog fotografierte, auch schon. Ein gutes Bild je Film. Der Rest kann gerne Ausschuss sein.

Mittelformatfilme gibt es bei MediaMarkt übrigens gar nicht mehr. Netterweise lagen der Kamera vier Filme bei. Zwei Kleinbild- und zwei Mittelformatfilme. Für die Zukunft gibt es zum Glück spezialisierte Online-Shops.