14. Februar 2009. Der Tagesspiegel lädt in den Wedding ein.

Heute hatte ich meine zweite asymmetrische Begegnung mit Christa Wolf. Die erste – damals war sie mir allerdings noch nicht so vertraut – war am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz. Vor eher großem Publikum. Heute zu einer Lesung. Etwas intimer. Einhundert Gäste.

»Asymmetrisch«, weil mir Christa Wolf total vertraut vorkommt. Fast wie ein Familienmitglied. Ich so vieles von ihr weiß. So viel Persönliches von ihr gelesen habe. Und sie mit mir wohl eher nichts anfangen kann.

Obwohl Herr N. und ich keine Karten vorab bekamen, sind wir auf gut Glück hingefahren. Und kamen rein.

19.49 Uhr:

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20.05 Uhr. Sie liest aus dem Kapitel »1961« aus »Ein Tag im Jahr«:

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21.44 Uhr. Nach der Lesung werden Bücher signiert. Zuerst Herr N.s heilige »Kassandra«, Aufbau-Verlag-Ausgabe von 1983:

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21.48 Uhr. Dann meine heiligen »Kindheitsmuster«:

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Foto: A. N.

Ich bin ganz aufgeregt. Christa Wolf spricht zwei Sätze mit mir. Christa Wolf ist toll!

Während der Veranstaltung dachte ich, wie schade, dass diese DDR, die ich immer nur als Besucher kannte, anfangs doch mit großer Sympathie und noch größerer Neugierde anschaute, zum Schluss eher menschenverachtend empfand, dass diese DDR nicht von mehr Menschen wie Christa Wolf geprägt war. Von Menschen, die reflektieren konnten, die sich selbst auch in Frage stellten, die Ironie zeigten. Statt solcher Menschen aber war die DDR geprägt von Spießbürgern und Prinzipienreitern wie Erich Honecker und Egon Krenz. Sehr schade.