7. Februar 2009, 19.30 Uhr

Ich komme vom Einkauf nach Hause, mit mir betritt meine Etagennachbarin das Haus, die schon seit drei Jahren nicht auf mein Grüßen reagiert. Ich grüße sie trotzdem weiter. Wir stehen zusammen an der Briefkastenanlage, sie nimmt Werbung aus ihren Briefkasten, schmeißt diese auf die Briefkastenanlage, darauf entspinnt sich folgender »Dialog«:

»Entschuldigung, da drüben hängt ein Mülleimer.«

Keine Reaktion, meine Nachbarin, Typ Hildegard Knef, aber mit deutlich mehr Verhärmtheit um den Mund, immer extrem uffjedonnert, schätzungsweise Ende Fünfzig, immer mit Sonnenbrille im Gesicht, immer mit extrem hochhackigen Schuhen, macht drei Schritt von ihrem noch offenen Briefkasten zurück, schaut demonstrativ von mir weg, lässt ihren Müll aber liegen.

»Entschuldigung, ich meinte Sie. Könnten Sie vielleicht Ihren Müll in den Mülleimer werfen?«

Deutliche Hysterie in der Stimme. »Ick zeig Sie an, wenn Sie mir noch einmal ansprechen.«

»Das können wir sofort machen. Ich hab mein Telefon dabei. Soll ich die Polizei rufen?«

Sich überschlagende Stimme. »Was wollen Sie eigentlich von mir?«

»Ich will, dass Sie ihren Müll hier nicht rumschmeißen.«

Kurz vorm Überschnappen und von der Lautstärke her schon eher schreiend. »Lassen Sie mich in Ruhe. Sprechen Sie mich nie wieder an. Ick zeig Sie sonst an.«

Ich hab sie dann in Ruhe gelassen. Und bin alleine mit dem Aufzug nach oben gefahren. Denn sie blieb in großem Sicherheitsabstand und gab mir nicht einmal ansatzweise zu verstehen, dass sie gerne den Aufzug mit mir teilen wollte.