13. Juni 2008

Gestern war ich seit langem mal wieder in Neukölln. Am früheren Nachmittag begleitete ich meine Freundin Monika zu cyberport (nicht in Neukölln), um dort für sie ein neues MacBook zu kaufen. Anschließend wurde bei Lutter & Wegner darauf mit Lutter & Wegner-Sekt angestoßen und dann ging es zu Monika nach Hause. Nach Neukölln. Monika mit der Bahn. Icke mit dem Rad. Ich war natürlich schneller und wartete am Kottbusser Damm / Ecke Sanderstraße gegen 19 Uhr – also am helllichten Tage – auf Monika. Stand da. Mit meinem Rad zwischen den Beinen. Niemandem im Weg. Dafür meinen Kopfhörern in den Ohren. Kam so ein Besoffener an. Etwa mein Alter, deutlich weniger Zähne im Mund als ich, laut grölend, die Arme stoßweise in die Höhe gereckt. Bleibt vor mir stehen und blökt mich an. Ich hab ihn einfach ignoriert. Nach etwa zwei Minuten Geblöke nehme ich meine Kopfhörer aus den Ohren, guck ihn an und sage, junger Mann, ich hab kein einziges Wort verstanden und will auch nichts verstehen. Pack mir die Dinger wieder in die Ohren und versuche, diese unangenehme Person weiter zu ignorieren. Blökt er weiter, ziemlich laut. Ich die Dinger wieder aus den Ohren, er faselt was, ob ich mich »für nen besseren Linken« (?) hielte und ob ich Stress machen wolle. Ich mach also Stress. Aha. Is recht, sag ich zu ihm, und jetzt setze mal deinen Weg weiter fort und lass mich in Ruhe. Ich will keinen Stress und du bestimmt auch nicht. Er torkelt weiter, dreht sich mehrmals um und brüllt in meine Richtung. Nach etwa fünfzig Metern bleibt er stehen. Schreit immerzu zu mir. Ich mach eine Hand-, Gesichts- und Kopfbewegung wie »Is recht, du Penner, jetzt zieh mal Leine«. Er kommt zurück. Zieht sich seine Bomberinnenjacke aus, schmeißt die auf den Boden und geht in Boxhaltung auf mich zu. Ich (mit kompletter Technikausrüstung uff Tasche) hatte natürlich wenig Lust auf wirklichen Stress und habe den Rückzug angetreten. Auf dem Rad ist das mit einem besoffenen Neuköllner als Gegner auch nicht schwer. Aber trotzdem hat es mir kurzfristig so die Laune verdorben. Vom Adrenalinausstoß mal abgesehen. Warum darf man solche Leute nicht sofort erschießen? Von Neukölln hab ich eigentlich erstmal genug. Auch wenn mich Monika in einer Daten-von-Alt-iMac-zu-Neu-MacBook-Kopier-Pause zum Essen ans Maybachufer einlud. Wo es leckere Kässpätzle und äußerst angenehme Menschen gab.

P.S. In Neukölln gibt es jetzt eine sehr glückliche MacBook-Besitzerin, die die Fähigkeiten ihrer Neuerwerbung kaum fassen kann.