10. Februar 2008

Heute also wirklich Polen. Der erste Ausflug vor die Stadttore Berlins im Jahre 2008. Sogar der erste Ausflug vor den S-Bahn-Ring in diesem Jahr, wenn ich mich nicht täusche. Zuerst wieder der Kampf mit dem Fahrscheinautomaten. Natürlich bin ich zu doof. Man muss an diesen Maschinen zuerst das Verkehrsmittel wählen (Fernverkehr / Regionalverkehr / S-Bahn). Und dann erst das Ziel. Völlig logisch. Vor allem, wenn im Eingangsmenü als erstes »Zielbahnhof« aufleuchtet. Völlig klar. Da muss mal ein schlauer Interface-Designer ran. Justus, nächste Aufgabe für dich und deine Kommilitonen: Fahrscheinautomaten der Deutschen Bahn so programmieren, dass sie auch Leute mit Computerkenntnissen bedienen können. Mir hat übrigens eine freundliche Dame eines so genannten Service Points geholfen.

16.27 Uhr: Ankunft in Frankfurt (Oder). Ich könnte, wenn ich wollte, jetzt nach Moskau umsteigen.

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16.31 Uhr: Das kommt mir doch bekannt vor. Diese Art von Architektur soll mir aber noch mehrere Male begegnen. Ich habe kein einziges Gebäude zweimal fotografiert.

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Wie man sieht, erschöpft sich der Charme der Stadt recht schnell.

16.48 Uhr: Blick von der Europabrücke Stadtbrücke gen Westen. Das Dach gehört zu den Grenzanlagen, die eigentlich abgebaut werden könnten, oder?

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16.51 Uhr: Dzień dobry. Drei Minuten später hat man auch schon das Zentrum von Słubice hinter sich. Doro, von hier bekamst du deine SMS.

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16.57 Uhr: Auch in Polen kommt der Plattenbaufreund auf seine Kosten.

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17.27 Uhr: Schon wieder im Westen. Der Europaplatz mit Gräfin-Dönhoff-Gebäude der Viadrina-Universität (links), nicht verkehrender Meterspurstraßenbahn (Bildmitte) und Ruine (rechts).

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18.27 Uhr: Meine Einkäufe aus Polen, im örtlichen Burger King ausgebreitet: Eine Stange West Silver (63,50 PLN) für Doro. Doro hatte sich Zigaretten gewünscht. 2 x 0,5 Liter Mleko świeże (à 0,89 PLN) für Andi. Andi hatte sich Milch gewünscht. 2 x 0,5 Liter Żywiec (à 2,39 PLN) für Rainer. Rainer hatte sich nichts gewünscht, freut sich aber immer über Bier. Und 0,5 Liter Sobieski (19,95 PLN) für mich. Sobieski ist mein Lieblingswodka. Der örtliche Supermarkt hat auch sonntags bis 21.30 Uhr geöffnet.

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Zwischenzeitlich bin ich noch zweimal über die Oder (und damit über die Grenze) gefahren. Irgendwie schrill. Ich kenne diese Grenze ja noch deutlich anders. 1988 brauchte man ein umständlich zu beantragendes Visum und noch vor zwei Monaten musste man zumindest den Ausweis vorzeigen. Ich finde Europa und Schengen toll!

Mein Fazit: Ich schätze, dass Słubice und Frankfurt bis in fünf Jahren wieder zu einer Stadt verschmolzen sein werden. Bis dahin besteht Słubices Ortskern nur aus Dutzenden von Zigarettenläden, sehr vielen Frisörsalons, zwei Tankstellen und riecht zu Heizungszeiten streng nach verbrannter Braunkohle. Frankfurt sieht größtenteils ziemlich durchsaniert aus, hat zu meiner Überraschung Berge und eine offenbar an Sonntagen nicht verkehrende Straßenbahn, ist bis auf einen total überlaufenen und der örtlichen Jugend als Treffpunkt dienenden Burger King am Bahnhof auch sonst ziemlich tot und das beste an der Stadt ist vermutlich ihre schnelle und halbstündlich bediente Bahnverbindung nach Berlin. Oder von mir aus auch die nach Warschau. Und warum gibt es in Słubice nur Pizzerien und Döner-Stände? Ich hätte so gerne echte Piroggen gegessen. Und dazu ein Źywiec getrunken. Das mach ich dann wohl das nächste Mal wieder im Gnadenbrot.